Indisches Inkasso Eunuchen als Steuereintreiber unterwegs
Patna - Zu Trommelmusik und mit bunten Saris bekleidet ziehen die Eunuchen singend und tanzend von Geschäft zu Geschäft. An ihrem ersten Arbeitstag am Mittwoch waren sie ausgesprochen erfolgreich und sammelten nach Angaben der Behörden 425.000 Rupien (7700 Euro) ein.
Die etwa 20 Eunuchen werden von Mitarbeiten des Finanzamts begleitet, die die Steuerunterlagen der säumigen Zahler bei sich haben. Man baue dabei auf den Ruf und das Überzeugungstalent der Eunuchen, sagte der Finanzbeamte Bharat Sharma der Nachrichtenagentur AP.
Die Steuereintreiber erhalten kein festes Gehalt, sondern vier Prozent Provision von ihren Einnahmen. Ihr Aufgabenfeld soll demnächst auch auf Privathaushalte in Patna, der Hauptstadt des Unionsstaates Bihar, ausgedehnt werden.
In Indien leben schätzungsweise eine Million Eunuchen. Teilweise handelt es sich um kastrierte Männer, andere sind Transsexuelle oder Hermaphroditen. Von der Gesellschaft ausgestoßen, finden die Betroffenen nur schwer Arbeit.
Viele verdienen sich ihr Geld durch ungebetene Auftritte bei Hochzeiten und Geburtstagsfeiern; dabei schrecken sie auch vor Erpressung nicht zurück. Eunuchen haben in Indien eine niedrige soziale Stellung, gelten aber als besonders hartnäckig. Frühere indische Herrscher hatten häufig Jungen kastrieren lassen, um sie als Wächter in ihren Harems zu missbrauchen.
Ram Sagar Singh, einer der Steuersünder, will nun ganz rasch seine Steuerschulden zahlen sie summieren sich auf 100.000 Rupien (1300 Euro). Am Mittwoch hatten die Eunuchen vor Sings Tür gestanden und gesungen: "Zahl' die Steuer, zahle die Patna-Kommunalsteuer."
itz/AP/AFP