Indonesien: Polizei will zweite "Playboy"-Ausgabe verhindern - DER SPIEGEL
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Indonesien Polizei will zweite "Playboy"-Ausgabe verhindern

Der Protest gegen das Männermagazin "Playboy" in Indonesien eskaliert zusehends: Gestern griffen Demonstranten das Redaktiongebäude an und warfen die Scheiben ein. Nun will die Polizei die Herausgeber bitten, auf eine zweite Ausgabe vorerst zu verzichten - dabei war das erste Heft sofort ausverkauft.
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Jakarta - "Wir haben um ein Treffen mit den Herausgebern gebeten, damit wir darüber reden können, die zweite Ausgabe zu verschieben", sagte der Polizeichef der indonesischen Hauptstadt Jakarta. So solle eine weitere Eskalation der Proteste gegen den "Playboy" vermieden und den Demonstranten signalisiert werden, dass man ihre Einwände ernst nehme.

Seit Wochen laufen muslimische Gruppen gegen das Erscheinen des Erotik-Magazins in Indonesien Sturm. Gestern kam es schließlich zu ersten Gewaltausbrüchen: Mehrere hundert Islamisten der Islamischen Verteidigungsfront griffen das Redaktionsgebäude des "Playboy" an. Sie warfen die Scheiben des in Jakarta angemieteten Bürogebäudes mit Steinen ein und zerstörten das Eingangstor. Mindestens zwei Polizisten, die das Gebäude bewacht hatten, wurden nach Behördenangaben verletzt. Auch auf der Insel Java protestierten Anhänger der radikalen Organisation gegen den "Playboy" und drohten damit, Buchgeschäfte und Kioske zu stürmen.

Die Demonstranten forderten ein hartes Vorgehen gegen die Herausgeber des Magazins. Sie werfen den Machern des Blatts vor, vulgäre Bilder in ihrer Zeitung platziert zu haben. Dabei gibt sich der "Playboy" in Indonesien außergewöhnlich zahm. Wie das Original enthält das erste Heft ein detailliertes Interview, Berichte und Features sowie Farbfotos von Frauen - selbst das als Centerfold bekannt gewordene Ausklapp-Poster ist vorhanden. Allerdings sind die abgebildeten Frauen nicht völlig nackt, sondern tragen verhüllende Dessous; intime Körperzonen bleiben komplett unsichtbar. An den Zeitungsständen des bevölkerungsreichsten muslimischen Landes der Welt, finden sich viele Magazine mit sehr viel freizügigeren Texten und ähnlichen Bildern. Doch allein der Name "Playboy" ist für viele Muslime offenbar eine Provokation.

Den Herausgebern des Magazins dürfte es trotzdem wenig gefallen, die zweite Ausgabe zu verschieben: Denn trotz der Proteste ist das Häschen-Heft auch in Indonesien ein Kassenschlager. Das erste Heft war innerhalb eines Tages ausverkauft. So kann die Polizei nur an das Feingefühl der Unternehmer appellieren - rechtlich hat man nämlich früheren Aussagen von Regierungsbeamten zufolge keine Möglichkeiten, gegen das Erscheinen des Heftes vorzugehen.

ase/AP/dpa