Industriespionage Boeing verliert Milliardenauftrag
Washington - Wegen Industriespionage hat die amerikanische Luftwaffe dem Flugzeughersteller Boeing Aufträge in Höhe von einer Milliarde Dollar (872 Mio. Euro) gekündigt. Dies sei die Strafe dafür, dass Boeing im Kampf um einen Milliarden-Auftrag Dokumente von Lockheed Martin gestohlen habe, teilte Luftwaffen-Sprecher Peter Teets in Washington mit.
Der Fall geht auf das Jahr 1998 zurück. Damals hatte die US-Luftwaffe einen Auftrag für Raketen ausgeschrieben, um Wetter- und Spionagesatelliten ins All zu befördern. Die Luftwaffe sieht es als erwiesen an, dass sich Boeing daraufhin 25.000 Seiten geheimer Dokumente von Lockheed beschaffte. Das Unternehmen konnte die Kosten und Preisgestaltung von Lockheeds "Atlas V" Rakete studieren und ein besseres Angebot machen.
Zunächst hatte Boeing Erfolg: Das Chicagoer Unternehmen bekam 19 Aufträge für Raketenstarts, an Lockheed gingen sieben. Jetzt erklärte die Luftwaffe, man werde Boeing sieben Aufträge entziehen und diese an Lockheed vergeben.
"Boeing hat ernste und erhebliche Verstöße gegen Bundesgesetze begangen", sagte Teets. Die Luftwaffe verzichtete zwar darauf, dem kompletten Unternehmen in Zukunft Regierungsaufträge zu verweigern. Drei Boeing-Abteilungen und drei ehemalige Beschäftigte würden jedoch auf unbestimmte Zeit von allen Ausschreibungen ausgeschlossen.
Boeing-Chef Phil Condit kündigte an, alle 78.000 Beschäftigten in den betroffenen Bereichen des Unternehmens zu schulen, damit sich ein solcher Vorfall nicht wiederhole. "Wir wollen sichergehen, dass Boeing sich nie wieder einer solchen Kritik gegenübersieht", sagte Condit.
Zusätzlich zu der Strafe ermittelt das Justizministerium gegen Boeing. Lockheed hatte ein Gerichtsverfahren angestrengt. Die von den Anschuldigungen betroffene Raumfahrt- und Kommunikationssparte trägt rund ein Fünftel zum Umsatz des Unternehmens bei. Für Boeing ist die Entscheidung ein weiterer Schlag, nachdem das Unternehmen im zweiten Quartal wegen einer Sonderbelastung in Milliardenhöhe in die roten Zahlen gerutscht war.