Infineon 400 Millionen teure Handy-Chips
München/Stockholm - Die Aktie eröffnete im Minus, dann verlor sie weiter an Wert. Gegen 15.30 Uhr notierte die Infineon-Aktie bei 15,81 Euro, ein Minus von gut fünf Prozent gegenüber dem Vortag. Zuvor hatten Infineon und Ericsson bekannt gegeben, dass der deutsche Halbleiterhersteller die Chip-Produktionssparte der Schweden übernehmen will, um seine Abhängigkeit vom krisengeschüttelten Speicherchip-Geschäft zu verringern.
Analysten wie Rüdiger Kühnle von der Baden-Württembergischen Bank begrüßten den Zukauf grundsätzlich, nannten den Preis aber "hoch" und "gerade noch vertretbar". Der Markt habe eigentlich damit gerechnet, das der Übernahmepreis in Höhe des einfachen Umsatzes liegen werde und rund 150 Millionen Euro niedriger liegen werde. Michael Bahlmann, Analyst bei M.M. Warburg, bewertete es aber als positiv, dass der Kaufpreis in Aktien bezahlt werde, so dass die Liquidität von Infineon nicht belastet werde.
In seiner Mikroelektronik-Sparte MIC stellt Ericsson vor allem Chips für Mobilfunknetze und Handys her. Infineon wird nun Zulieferer für den schwedischen Konzern. Der Kauf soll bei einer Zustimmung der Kartellbehörden noch im Sommer realisiert werden. Infineon übernimmt rund 700 Mitarbeiter sowie Produktionsstätten und Forschung- und Entwicklungseinrichtungen. Etwa 600 Mitarbeiter der Mikroelektronik-Sparte in zwei Stockholmer Werken verblieben bei dem schwedischen Ausrüster.
Ericsson war angesichts der schwachen Nachfrage nach Telefon-Infrastruktur in die roten Zahlen gerutscht und will nun durch die Trennung von Geschäften, die nicht zum Kernbereich gehören, wieder profitable werden. "Wir sehen das als wichtigen Schritt bei der Konzentration auf unser Kerngeschäft", erklärte Ericsson-Chef Kurt Hellström.
Auch Europas zweitgrößter Chiphersteller Infineon schreibt Verluste. Dabei leidet der Münchener Konzern vor allem unter dem Preisdruck bei Speicherchips (DRAMs), die rund 27 Prozent des Konzernumsatzes ausmachen. Infineon hatte immer wieder betont, diese Abhängigkeit verringern und das Geschäft mit Chips für die Telekommunikation ausbauen zu wollen.
Im vergangenen Jahr habe die Ericsson-Sparte bei einem Umsatz von gut 200 Millionen Euro noch rote Zahlen geschrieben.Im nächsten Infineon-Geschäftsjahr 2002/2003, das am 30. September endet, werde das bereits anders sein, stellte Infineon-Chef Ulrich Schumacher in einer Telefonkonferenz in Aussicht. Dabei sehe er ein Umsatzpotenzial von 250 bis 300 Millionen Euro.