Infineon Automann wird Chipkonzern-Chef
München/Hannover - Mit dem 54-jährigen Ziebart übernimmt ein Manager die Führung beim weltweit sechstgrößten Halbleiterkonzern, der bislang kaum nennenswerte Erfahrung in der stark schwankungsanfälligen Branche besitzt. Interimschef und Aufsichtsratsvorsitzender Max Dietrich Kley erklärte aber: "Dr. Ziebart bringt mit seiner Turnaround-Erfahrung, Branchenkenntnis und technischen Expertise hervorragende Voraussetzungen für den Vorstandsvorsitz bei Infineon mit." Ein Sprecher wollte sich nicht dazu äußern, ob die Entscheidung für Ziebart im Aufsichtsrat einstimmig fiel oder nicht.
In einer ersten Reaktion hob Continental Ziebarts Anteil an der gelungenen Integration zugekaufter Bereiche in den Konzern hervor. Unter Ziebarts Führung sei die Sparte Automotive Systems zu einem schlagkräftigen, ertragsstarken und hoch innovativen Geschäftsbereich des Unternehmens geworden, sagte ein Sprecher. Ziebart hatte seine Karriere bei BMW begonnen. Im Zuge des Rover-Debakels hatte er allerdings seinen Vorstandsposten räumen müssen.
Der Münchener Infineon-Konzern hat in den vergangenen drei Jahren Verluste von über 2,5 Milliarden Euro eingefahren. Infineon-Chef Ulrich Schumacher war Ende März überraschend abgetreten, wofür der Konzern persönliche Gründe verantwortlich machte. Im Aufsichtsrat wurden hingegen Differenzen über die Unternehmensstrategie genannt. So sei Schumacher, der als äußerst charismatisch aber auch von sich selbst überzeugt galt, unter anderem mit seinen Plänen für weitere Verlagerungen ins Ausland gescheitert, hatte es geheißen. Einem Bericht zufolge formierte sich innerhalb des Managements Widerstand gegen Schumacher, weil dieser im Zuge des Konzernumbaus zwei Vorstandsmitglieder entlassen wollte.
Der ehemalige BASF -Finanzvorstand Max Dietrich Kley hatte als mögliche Nachfolger Schumachers zwei deutschstämmige Kandidaten mit Halbleitererfahrung genannt. Letztere Voraussetzung erfüllt Ziebart jedoch kaum. Analysten beurteilen dies unterschiedlich: Zumindest ein Teil der Experten sieht hierin aber einen Nachteil.