Infineon: Böse Überraschung in Rot - DER SPIEGEL
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Infineon Böse Überraschung in Rot

Wegen deutlich aufgestockter Rückstellungen hat Infineon einen zweistelligen Millionenverlust verbucht. Beobachter hatten mit schwarzen Zahlen gerechnet - und zeigen sich nun bitter enttäuscht.
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München - Der Konzernfehlbetrag belief sich im dritten Quartal auf 56 Millionen Euro, wie Infineon   am Morgen per Ad-hoc-Mitteilung bekannt gab. Der Umsatz stieg auf 1,908 Milliarden Euro nach 1,47 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Außer dem Umsatz liegen alle Daten deutlich unter den Erwartungen. "Die Zahlen sind absolut negativ, mehr gibt es nicht zu sagen", sagte ein Händler vor Börsenbeginn in Frankfurt.

Grund für die Überraschung: Infineon sorgt wegen laufender Untersuchungen in den USA vor. Es geht dabei unter anderem um den Verdacht von Preisabsprachen im DRAM-Halbleiter-Geschäft. Auch mit Blick auf mögliche Zivilklagen hat Infineon die Rückstellungen um 184 Millionen Euro auf 212 Millionen Euro erhöht.

Weitere Rückstellungen nicht ausgeschlossen

Weitere Rückstellungen schließt das Dax-Unternehmen nicht aus. "In Anbetracht der Unsicherheiten über den möglichen Ausgang der fortlaufenden Untersuchungen und der damit verbundenen Strafen und Schadenersatzansprüche sowie möglicher künftiger Kosten kann Infineon zurzeit die vollen finanziellen und anderen Auswirkungen dieser Untersuchungen, Klagen und Ansprüche nicht vorhersehen", hieß es in der Mitteilung.

Das US-Justizministerium hatte seine Untersuchung wegen möglicher Verletzungen von US-Wettbewerbsgesetzen in der DRAM-Industrie Mitte 2002 begonnen. Auch Infineons nordamerikanische Tochtergesellschaft wurde befragt. Nach dem Beginn der Untersuchung seien insgesamt 25 Sammelklagen gegen Infineon und andere DRAM-Hersteller bei verschiedenen US-Bundesgerichten und Gerichten von US-Bundesstaaten erhoben worden.

Die Klagen behaupten Verletzungen von bundes- oder einzelstaatlichem Kartell- und Wettbewerbsrecht und streben "erheblichen Schadenersatz" an, wie Infineon weiter meldete. Infineon sei ebenfalls von einigen seiner wichtigen Kunden wegen Schadenersatzansprüchen angesprochen worden, die aus Infineons vermeintlich wettbewerbsschädlichem Verhalten resultierten.

Auch in Europa sieht sich Infineon mit Fragen konfrontiert. Der Konzern beantworte ein Auskunftsersuchen der Europäischen Kommission vom April 2003 in Bezug auf den europäischen Markt für Speicherprodukte.

Optimistischer Ausblick

Mit Blick auf die Branchenkonjunktur zeigte man sich bei Infineon aber optimistisch. "Der weltweite Halbleitermarkt hat im Verlauf der letzten drei Monate beträchtlich an Dynamik zugelegt", erklärte Infineon-Interimschef Max Dietrich Kley. "Dass wir - ohne die für das Wettbewerbsverfahren gebildeten Rückstellungen - von dieser Entwicklung profitieren konnten, spiegelt sich in unseren verbesserten Finanzergebnissen wider."

Infineon sei auf dem richtigen Weg, sagte Kley, der spätestens im September von Continental-Manager Wolfgang Ziebart abgelöst wird. "Für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 erwarten wir weitere Zuwächse beim Umsatz sowie beim Konzernüberschuss."