Infineon Die Rosskur ist noch nicht beendet
München - Drei Bereiche sorgten im Geschäft mit Kommunikationschips für Verluste, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart. Dazu gehörten die Sparte Wireless-Infrastruktur, private Breitband-Zugangslösungen sowie optische Netze, wobei Infineon von letzteren bereits einen Teil an Finisar habe verkaufen können. "Diese Verluste werden wir so nicht weiterführen", stellte Ziebart klar.
Mitunter falle das Minus in diesen Geschäften mit einem Umsatzvolumen von zusammen 100 Millionen Euro so groß aus wie die Erlöse. Die Optionen seien nun Sanierung oder Verkauf beziehungsweise Schließung. In einigen wenigen Bereichen rechtfertige eine Sanierung den Aufwand aber wohl nicht. Entscheidungen dazu sollten größtenteils noch im Geschäftsjahr 2004/05 - also bis zum 30. September - fallen.
Schwarze Zahlen angepeilt
Insgesamt, so Ziebart, werde Infineon im laufenden Geschäftsjahr operativ schwarze Zahlen schreiben. "Das Ziel bleibt bestehen". Auch die im Januar getroffenen Aussagen für das laufende zweite Quartal, wonach Umsatz und Ergebnis erneut sinken sollen, hätten Bestand.
Eines der drängendsten Probleme von Infineon ist der technologische Rückstand gegenüber dem Marktführer Samsung im Speicherbereich, der sich Analysten zufolge auf mindestens ein halbes Jahr beläuft. Mit diesen Chips erwirtschaftet Infineon zwei Fünftel des Umsatzes. Als entscheidend gilt hier die Fähigkeit, immer kleinere Strukturen auf einer Siliziumscheibe (Wafer) unterzubringen und so die Ausbeute zu erhöhen. Aktuell fertigt Infineon wesentliche Teile seiner Produkte auf 110 Nanometer, als nächste Schritte stehen 90 und 70 Nanometer an.
Samsung mit Vorsprung
Samsung werde auch bei der 90-Nanometer-Generation nicht mehr einzuholen sein, sagte Ziebart. Bei der Fertigung mit 70 Nanometer-Strukturen sehe die Situation aber besser aus: "Wir glauben, dass wir eine Reihe guter Voraussetzungen haben, um hier aufzuschließen." Ein Grund für den Rückstand sei, dass Infineon zum Teil verfrüht auf unnötig komplexe Techniken gesetzt habe. Dies werde aber in den kommenden Generationen auch ein Vorteil sein: "Da sind im Prinzip die Investitionen schon getätigt und die Technologien im wesentlichen schon an Bord."
Die Aussichten für die gesamte Branche beurteilte der im September gestartete Infineon-Chef etwas positiver als noch Ende vergangenen Jahres. Vor drei Monaten hätte er das Glas noch als "halb leer" bezeichnet - nun halte er es für halb voll, sagte er. Bei manchen Produkten hätten sich etwa die Lagerbestände verringert. "Hier reagiert die ganze Industrie professioneller als 2001." In den Jahren 2001 und 2002 hatte die Halbleiterbranche die schwerste Krise seit ihrem rund 50-jährigen Bestehen durchlebt.
von Hans G. Nagl, Reuters