Infineon: Entlassungen als Kostenbremse - DER SPIEGEL
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Infineon Entlassungen als Kostenbremse

In der letzten Zeit machte Infineon-Chef Ulrich Schumacher eher mit Umzugsphantasien von sich Reden. Doch zunächst einmal will er wieder mit konventionellen Methoden Geld sparen - durch Entlassungen.
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München - Zwei Jahre hoher Verluste machen selbst einen so coolen Manager wie Schumacher nervös. Bevor sich mögliche Spareffekte durch den angedachten Umzug ins Ausland auswirken, müssen deshalb kurzfristig wirksame Maßnahmen greifen: weitere 900 Arbeitsplätze sollen gestrichen werden.

"Die Rückkehr in die Gewinnzone hat oberste Priorität", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Dienstag in München. Der Halbleitermarkt bleibe weiterhin unklar und schwierig. Daher wolle das Unternehmen die Kosten nochmals um 500 Millionen Euro drücken.

Im abgelaufenen Quartal waren die Infineon-Verluste wieder angestiegen. Angesichts der bisher schwersten Halbleiter-Krise hat der Konzern bereits 5000 Arbeitsplätze abgebaut. "Es ist nie schön, und es gehört zu den bittersten Erfahrungen eines Managers, Personalabbau durchführen zu müssen", meinte Schumacher. Es gehe aber um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.

Daher sollen schon in den kommenden Monaten 500 Stellen in Zentralfunktionen und 150 Arbeitsplätze bei den Mobil-Lösungen wegfallen. Durch Ausgliederungen und die Verlagerung von Konzernfunktionen will Schumacher nochmals 250 Jobs sparen. Eine genaue Aufteilung in Stellen im In- und Ausland sei noch nicht möglich, sagte Schumacher. Es dürften aber auch in Deutschland mehrere hundert Stellen wegfallen, da insbesondere die Zentralfunktionen von den Kürzungsplänen betroffen sind. Derzeit beschäftigt Infineon knapp 31.000 Menschen, gut die Hälfte davon in Deutschland.

Die mögliche Verlagerung der Konzernzentrale sorgte in den vergangenen Wochen für Unruhe. Der Aufsichtsrat diskutierte auf seiner Sitzung am Montag das Thema, schob aber eine Entscheidung noch auf. Arbeitnehmervertreter hatten angekündigt, den Wegzug mit allen Mitteln verhindern zu wollen. Es sei keinesfalls beabsichtigt, Forschung und Produktion aus Deutschland abzuziehen, betonte Schumacher. Die Verlagerung des offiziellen Konzernsitzes werde aber weiter geprüft. Als Standort sei insbesondere die Schweiz im Gespräch.

Konkreter sind die Umzugspläne bei der Auto- und Industrie-Elektronik. In Villach ist bereits der Großteil der Fertigung, die Führung soll nun folgen. Durch den weiteren Ausbau des Standorts solle der Bereich noch schlagkräftiger werden. "Damit sind wir auf dem Weg, von der Nummer 2 weltweit zur Nummer 1 in diesem Bereich aufzusteigen."

Infineon hatte in den vergangenen beiden Geschäftsjahren Milliardenverluste verbucht. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2002/03, das am 30. September endet, stieg der Verlust vor Zinsen und Steuern verglichen mit dem Vorquartal von 31 auf 223 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust auf dieser Basis bei 176 Millionen Euro.