Infineon-Glasfaser-Sparte Amerikaner kaufen nur die Maschinen
München - Am Ende musste sich Infineon-Chef Wolfgang Ziebart den Bedingungen der Amerikaner beugen. Für 50 Millionen Dollar kauft Finisar lediglich Spezialmaschinen, Werkzeug und Materialien und andere Vermögenswerte der Fibre-Optics-Sparte. Finisar wird gemäß der Vereinbarung 34 Millionen Aktien ausgeben, was gemessen am Schlusskurs vom 21. Januar dem Wert von knapp 50 Millionen Dollar entspricht. Die Übertragung der Vermögenswerte soll bis zum 31. Januar abgeschlossen sein. Unmittelbar danach werde Infineon einen Eigenkapitalanteil von etwa 13 Prozent an Finisar halten.
Noch vor zwei Wochen schien es, als würde das Geschäft mit Finisar nicht zu Stande kommen, zu groß erschien dem kalifornischen Netzwerk-Spezialisten das Risiko einer Übernahme der 350 Mitarbeiter. Jetzt bleiben sie bei Infineon .
Entsprechend gemischt war auch das Echo, das der Verkauf bei den Analysten fand. Merck-Finck-Experte Theo Kitz schätzte die Transaktion in einer ersten Reaktion positiv ein. Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende, sagte er. Der Experte war aber auch überrascht. Infineon habe noch am Vortag erklärt, mit Gewerkschaften wegen der Umstrukturierung zu verhandeln. Ein weiterer Analyst wertete negativ, dass Infineon nur Vermögenswerte seines Fibre-Optic-Geschäfts abstoße und Finisar keine Mitarbeiter übernehme. Infineon habe jetzt im Prinzip 350 Mitarbeiter zu viel - und ein Großteil der Arbeitsplätze befinde sich in Deutschland.
Das Echo der Anleger war weniger gemischt - aber keineswegs erfreulicher: Die Infineon-Aktie sackte am Tag der Hauptversammlung weiter ab. Sie verlor bis zum Mittag 1,57 Prozent auf 6,89 Euro und war damit das Schlusslicht im Dax . Bereits am Vortag hatte sie nach Zahlen für das erste Geschäftsquartal sowie einem trüben Ausblick kräftig verloren und war erstmals seit Mai 2003 unter die Sieben-Euro-Marke gerutscht.
Sanfter Sanierer
Für Infineon-Chef Ziebart jedoch überwiegen die positiven Aspekte. "Wir freuen uns, mit Finisar heute diese Vereinbarung über den Verkauf dieses Geschäftes unterzeichnen zu können", sagte er. Die Transaktion bedeute "den ersten wesentlichen Schritt in Richtung Restrukturierung unserer Glasfaseraktivitäten, um diese wieder profitabel zu machen." Im ersten Geschäftsquartal 2004/05 (Ende Dezember) verbuchte Infineon bei seinen Glasfaser-Aktivitäten einen Umsatz von etwa zwölf Millionen US-Dollar aus dem Verkauf optischer Transceiverprodukte.
Der seit September amtierende Vorstandschef Ziebart präsentierte sich auf der Hauptversammlung als sanfter Sanierer. "Es ist leicht, etwas zu zerstören, aber schwer, etwas aufzubauen", sagte er. "Daher werden wir bei defizitären Bereichen gewissenhaft die Möglichkeiten einer Sanierung prüfen. Erst wenn wir erkennen, dass dies nicht möglich ist, werden wir angemessen handeln." Zudem kündigte der Konzernchef an, dass seine Vorstandsbezüge im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 einzeln ausgewiesen werden. Die der anderen Vorstände werde Infineon dagegen in Summe veröffentlichen.
Am Vortag hatte Infineon Zahlen für das abgelaufene erste Geschäftsquartal (Ende Dezember) gemeldet. Der Bereich Drahtgebundene Kommunikation, zu dem auch das Glasfaser-Geschäft gehört, verringerte seinen Verlust auf 29 Millionen Euro (Vorquartal minus 110 Millionen Euro). Im aktuellen Jahresviertel dürften Umsatz und operativer Verlust in dem Bereich stagnieren. Ziebart bekräftigte nun auf dem Aktionärstreffen den düsteren Ausblick. Die Halbleiter-Industrie sei 2004 weltweit um mehr als 23 Prozent gewachsen. Experten seien für das neue Jahr aber pessimistisch. "2005 wird ein schwieriges Jahr für die Halbleiterindustrie", sagte der Infineon-Chef. "Das Marktwachstum wird sich erheblich verlangsamen, vielleicht sogar zu einem Stillstand kommen."