Infineon Massenentlassung bestätigt
München - "Die dramatische Marktentwicklung und unsere daraus resultierende Geschäftslage lassen uns keine andere Wahl", sagte Infineon-Chef Ulrich Schumacher am Donnerstag in München. Der Konzern bedauere, dass der Abbau von Arbeitsplätzen unvermeidlich sei. Ein Ende der Schwäche im weltweiten Technologiesektor sei aber nicht in Sicht.
Infineon hatte im abgelaufenen Quartal vor Steuern und Zinsen einen Verlust von fast 600 Millionen Euro erlitten. Mit den Stellenstreichungen, zusätzlicher Kurzarbeit, Einsparungen und einer Überprüfung aller Prozesse in Einkauf, Logistik und Fertigung will der Konzern in den nächsten 12 bis 18 Monaten eine Milliarde Euro einsparen und so die Ertragslage deutlich verbessern. Zuvor hatte der Konzern bereits verkündet, die geplanten Investitionen in diesem Jahr um 500 Millionen Euro auf 2,3 Milliarden Euro zu senken.
Von den Stellenstreichungen seien auch Arbeitsplätze in Deutschland betroffen, sagte eine Sprecherin von Infineon. Die regionale Verteilung sei aber noch nicht entschieden. Zur Situation im Dresdner Werk könne man noch keine Aussage machen, da derzeit alle Standorte überprüft würden. Dresden werde mit der neuen 300-Millimeter-Technologie aber ein zentraler Standort bleiben. Über den Arbeitsplatzabbau war in den vergangenen Tagen bereits spekuliert worden. Nach der Bestätigung der Stellenstreichungen stieg der Infineon-Aktienkurs um zwischenzeitlich 1,3 Prozent auf 27,30 Euro.
Infineon ist von der Schwäche der Hightech-Märkte besonders stark betroffen. Der weltweite Halbleitermarkt werde in diesem Jahr voraussichtlich von 200 auf 140 Milliarden Dollar sinken, teilte Infineon mit. Im Oktober 2000 hätten Analysten das Marktpotenzial sogar noch auf 240 Milliarden Dollar geschätzt. Angesichts der anhaltenden Flaute rechnet Infineon auch im gesamten Geschäftsjahr 2000/01 (30. September) mit Verlusten.