Infineon: Rätsel um Schumachers Rauswurf - DER SPIEGEL
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Infineon Rätsel um Schumachers Rauswurf

Warum musste Vorstandschef Ulrich Schumacher urplötzlich gehen? Auch am Tag nach dem spektakulären Rausschmiss nennt Infineon keine Gründe. Finanzvorstand Peter Fischl dementiert, dass der Rauswurf finanzielle oder bilanzielle Ursachen habe. Welche dann?
Von Eva Müller und Andreas Nölting
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wohl selten hat es in der deutschen Unternehmenslandschaft einen derart spektakulären und raschen Rausschmiss eines Konzernlenkers gegeben wie im Falle des Infineon-Lenkers Ulrich Schumacher. Mit ihm tritt nun einer der schillernsten und umstrittensten Vorstandschefs ab. Doch warum?

Die Demission Schumachers habe nichts mit der aktuellen Geschäftslage zu tun, bekräftigte Finanzvorstand Peter Fischl am Freitag vor Analysten. Der Chipkonzern Infineon   stehe zu seinen Prognosen und habe keine Bilanz-Probleme. Ursache des Wechsels seien eher persönliche Gründe.

Den Abgang Schumachers bejubeln viele Mitarbeiter - vor allem auf den Führungsebenen. Der Umgang untereinander sei durch den autokratischen Führungsstil des Vorstandschefs katastrophal gewesen, berichten Insider gegenüber manager-magazin.de. Schumacher habe mit einer kleinen Truppe von Getreuen, allen voran seinem Strategiechef Matthias Poth, absolutistisch regiert. Intrigen und Mobbing gegen missliebige Kollegen seien an der Tagesordnung gewesen.

Kommunikationsberater für Schumacher

Über die vergangenen Monate habe sich Schumacher zu einer untragbaren Belastung für das Unternehmen entwickelt, heißt es im Unternehmen. Der CEO habe sogar in der Öffentlichkeit über seinen Konzern und seine Mitarbeiter gelästert. Deshalb habe ihm Aufsichtsratschef Kley bereits im vergangenen Herbst Hintergrundgespräche mit Journalisten untersagt. Schumacher sei ein Kommunikationsberater an die Seite gestellt worden, um seinen Führungsstil zu verbessern.

Das Controlling habe die hohen Ausgaben der Zentralabteilung unter der Leitung von Schumacher-Kumpel Poth moniert. Dort seien immense Kosten aufgelaufen, etwa für teure Image-Agenturen oder ein Hochglanz-Kundenmagazin, das sich vor allem mit Schumachers Rennsport-Hobby beschäftigte.

So wurde manager-magazin.de aus einer gut informierten Quelle zugetragen, dass Schumacher offenbar auch private und geschäftliche Dinge zu sehr vermischt haben könnte. Der Aufsichtsrat habe diese vermutlichen Verfehlungen genutzt, um Schumacher rasch aus dem Konzern zu drängen. Die Pressestelle wollte sich gegenüber manager-magazin.de zu diesem Sachverhalt nicht äußern. Schumacher war telefonisch nicht zu erreichen.