Inflation Die hässliche Seite des Euro
Berlin - Die Umstellung auf den Euro hat nach einem Bericht der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" die Teuerung stärker angeschoben als bislang vermutet. Dies berichtet das Blatt unter Berufung auf Regierungskreise. Bei der jüngsten, nicht-öffentlichen Sitzung des Konjunkturrates für die öffentliche Hand habe der Vertreter der Bundesbank, Chefvolkswirt Hermann Remsperger, einen Vortrag gehalten, den die Teilnehmer als schrilles Alarmsignal verstanden hätten.
Das Blatt zitiert Remsperger mit den Worten, die Inflationsrate schraube sich in diesen Tagen in ungeahnte Höhen. Es habe flächendeckend einen kräftigen Schub gegeben. Inzwischen könne niemand mehr ausschließen, dass das Statistische Bundesamt für Januar eine Preissteigerung mit einer Drei vor dem Komma melden müsse. In Teilen des Einzelhandels, vor allem aber bei Restaurants und Hotels, seien im Rahmen der Euro-Umstellung höhere Preise festgesetzt worden, um die Gewinnmargen zu erhöhen. Die Bundesbank lasse dies wissenschaftlich untersuchen.
Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Wim Duisenberg, sagte dagegen der französischen Tageszeitung "La Tribune", er sehe keine Inflationseffekte durch die Euro-Bargeldeinführung zum 1. Januar. Diese werde nicht den von einigen befürchteten Inflationseffekt mit sich bringen. "Die Preise werden ab- und aufgerundet", sagte Duisenberg zu den Versuchen einiger Einzelhändler, die Euro-Einführung zu versteckten Preiserhöhungen zu nutzen. Aus "rein statistischen Gründen" könnten die Preisindizes im Januar und Februar leicht steigen. Dies sei jedoch ein einmaliger Effekt und hänge nicht mit der Euro-Einführung zusammen.