Inflation EU rechnet mit stark steigenden Verbraucherpreisen
Brüssel - Die EU-Kommission rechnet mit einem weiteren Anstieg der Energie- und Lebensmittelpreise. In ihrer am Montag veröffentlichten Frühjahrsprognose sagt die Brüsseler Behörde für das laufende Jahr eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,6 Prozent in der EU und von 3,2 Prozent in der Eurozone voraus. Ihren Höhepunkt werde die Teuerung voraussichtlich im zweiten Quartal erreichen, um sich dann 2009 auf durchschnittlich 2,4 Prozent in der EU und 2,2 Prozent in der Eurozone abzuschwächen.
In Deutschland verlangsamte sich der Preisanstieg: Nach Daten aus vier Bundesländern ist die Inflationsrate im April wieder unter drei Prozent gesunken. Die Verbraucherpreise stiegen demnach zwischen 2,2 und 2,9 Prozent. Vor allem Pauschalreisen und Ferienwohnungen seien günstiger geworden. Der Preisanstieg bei Lebensmitteln und Mineralölprodukten ging auch in Deutschland weiter. Im Vergleich zum Vorjahr war Heizöl um 41,3 Prozent, Molkereiprodukte und Eier um 21,8 Prozent und Frischobst um 9,9 Prozent teurer als im Vorjahr.
Die EU-Kommission korrigierte auch ihre Konjunkturprognose für die Eurozone leicht nach unten: Für die 15 Volkswirtschaften der Währungsunion rechnet sie 2008 mit einem Wachstum von 1,7 Prozent. Noch im Februar war sie von 1,8 Prozent ausgegangen. Für die EU insgesamt prognostiziert die Kommission ein Wachstum von zwei Prozent. Im kommenden Jahr werde sich das Wachstum voraussichtlich weiter verlangsamen, auf eine Rate von 1,8 Prozent in der EU und von 1,5 Prozent in der Eurozone.
Warum die Lebensmittelpreise so hoch sind
Für Deutschland ist die EU-Kommission mit einer Konjunkturprognose von 1,8 Prozent in diesem Jahr und von 1,5 Prozent 2009 etwas optimistischer als die Bundesregierung. Letztere erwartet für das laufende Jahr ein Wachstum von 1,7 Prozent und für 2009 von 1,2 Prozent. Das stärkste Wirtschaftswachstum in der EU wird nach Einschätzung der Kommission in diesem Jahr die Slowakei verzeichnen (7 Prozent), das Schlusslicht bildet Italien mit 0,5 Prozent.
Angesichts der internationalen Finanzmarktkrise und der Konjunkturschwäche in den USA könne die EU "nicht ungeschoren davonkommen", erklärte die Kommission zur allgemeinen Verlangsamung des Wachstums. Die Investitionstätigkeit der Unternehmen, wichtigste Triebfeder des Aufschwungs in den vergangenen Jahren, gehe zurück. Die Nachfrage der privaten Haushalte sei weiterhin schwach ausgeprägt, "was vor allem an einem schwachen Wachstum der Reallöhne zu liegen scheint", schreibt die Brüsseler Behörde. Für das laufende Jahr erwartet die Kommission allerdings einen durchschnittlichen Anstieg der Löhne und Gehälter um 3,8 Prozent, befeuert unter anderem durch die jüngsten Tarifabschlüsse in Deutschland.
Trotz der "außergewöhnlichen unsicheren" Wirtschaftslage erwartet die Kommission eine weitere Abnahme der Arbeitslosigkeit auf eine Quote von 6,8 Prozent in der EU und von 7,2 Prozent in der Eurozone. Nach der Entstehung von europaweit fast vier Millionen neuen Arbeitsplätzen im vergangenen Jahr könnten 2008 noch einmal rund zwei Millionen Stellen geschaffen werden.
Die jüngsten Tariferhöhungen und der anhaltende Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ließen die Konsumlaune in Deutschland im April aufblühen. Sowohl die Konjunktur- und die Einkommenserwartung als auch die Anschaffungsneigung hätten deutlich zugelegt, teilte das Marktforschungsinstitut GfK am Montag in Nürnberg mit. Ungeachtet der hohen Lebensmittel- und Energiepreise sowie der Turbulenzen auf den internationalen Finanzmärkten zeigten sich die Verbraucher wieder zuversichtlicher.
kaz/AP/dpa/Reuters