Inflationssorgen Drück den Euro
Frankfurt am Main/Washington - "Viele Investoren waren enttäuscht, dass Trichet nicht stärker vor Inflationsgefahren gewarnt hat als vor vier Wochen", sagte ein Händler. Der Euro fiel am Nachmittag zeitweise unter die Marke von 1,20 Dollar, nach 1,2084 Dollar am Vormittag.
Trichet hatte am frühen Nachmittag eine Pressekonferenz gegeben, um die aktuelle Zinsentscheidung der Euro-Notenbank EZB zu begründen. Sie hatte den Leitzins abermals auf dem historischen Tief von 2,0 Prozent belassen. "Trichet hat im wesentlichen Bekanntes wiederholt", erklärte ein Händler. "Einige hatten wohl auf prägnantere Aussagen gesetzt." Der EZB-Chef hatte die Märkte wie erwartet auf eine Zinserhöhung vorbereitet, aber keinerlei Hinweise zum Zeitpunkt gegeben. Händler, die auf eine Zinssteigerung noch Ende 2005 gehofft hatten, seien enttäuscht worden.
Demgegenüber hatte Greenspan mit seinen Aussagen zur Wirtschaft und Inflation in den USA die Erwartungen auf weitere Zinssteigerungen im Dezember und Januar verstärkt. Der scheidende Fed-Chef bekräftigte vor dem Kongress, dass die US-Wirtschaft gut in Schwung komme, warnte aber zugleich vor den Inflationsgefahren.
Zinsen in den USA doppelt so hoch wie in Euro-Land
"Greenspan hat nichts Neues gesagt, aber irgendwie haben die Märkte das als ein Signal genommen, dass die Zinsen doch stärker als bisher eingepreist zulegen könnten", erklärte ein Händler in London die Reaktion der Investoren.
Derweil fielen in den USA die US-Konjunkturdaten besser als erwartet aus und heizten die Zinsspekulationen für die weltgrößte Volkswirtschaft noch weiter an. So stieg der US-Service-Index im Oktober unerwartet deutlich auf 60,0 (Prognose 57,0) Punkte. Zugleich nahmen auch die Industrieaufträge stärker als erwartet zu. Auch die Produktivität in den USA war im dritten Quartal nach vorläufigen Berechnungen mit 4,1 (Prognose 2,5) Prozent annualisiert stärker als erwartet gestiegen. Die Lohnstückkosten waren zugleich aber um 0,5 Prozent gesunken.
Der Dollar hat in diesem Jahr vom wachsenden Zinsvorteil gegenüber dem Euro profitiert. Während in der Euro-Zone die Zinsen seit Juni 2003 bei 2,0 Prozent liegen, sind sie seit Sommer vergangenen Jahres in den USA von einem auf vier Prozent gestiegen.