Infomatec Firmengründer Harlos zurückgetreten
München - Bis Ende des Jahres werden Gerhard Harlos und Alexander Häfele aus dem Vorstand der Infomatec ausscheiden, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Mit diesem Schritt soll der "Weg für einen Neuanfang" frei gemacht werden. Mögliche Nachfolgekandidaten stünden derzeit noch nicht fest.
Karl Gruns, Chief Financial Officer von Infomatec, sagte zur finanziellen Lage des Unternehmens, dass man über ausreichend finanzielle Mittel verfüge, um die zukünftige Unternehmensexistenz zu sichern. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung soll der Personalbestand jedoch konzernweit um 20 Prozent abgebaut werden, erklärte Hanspeter Kipfer, Chief Operating Officer. Dies betreffe 120 Arbeitsplätze.
Ein wesentlicher Teil der Neuorganisation soll die Konzentration auf die Kernkompetenzen der Geschäftsbereiche Global Informations Systems und auf Infomatec Media, Technologie- und Produktanbieter im Bereich interaktives Fernsehen, sein. Diese Kerngeschäftsfelder sollten mit neuen Kooperationspartnern weiter ausgebaut werden.
Unterdessen habe man auch eine zweite Beraterbank gefunden, hieß es. Ab dem kommenden Montag werde auch die Frankfurter Future Securities das Unternehmen betreuen. Die Deutsche Börse müsse allerdings noch zustimmen. Geht alles glatt, erfüllt das angeschlagene Softwareunternehmen wieder die Voraussetzung für eine Notierung am Neuen Markt, zwei Betreuerbanken zu haben.
Erst am Donnerstag hatte Infomatec mitgeteilt, dass man Lang & Schwarz Financial Services zur Beratung gewonnen habe. Am Neuen Markt reagierten die Papiere von Infomatec auf die Nachricht mit einem Kurssprung. Am Freitag Vormittag stieg der Kurs um weitere 26 Prozent.
Die beiden bisherigen Beraterbanken, Sal. Oppenheim und WestLB, hatten ihre Partnerschaft mit Infomatec beendet, nachdem Vorwürfe bekannt wurden, denen zufolge das Unternehmen falsche Ad-hoc-Meldungen in Umlauf gebracht haben soll. Die Augsburger Staatsanwaltschaft ermittelt bereits.
Noch-Vorstand Harlos bezeichnete die Vorwürfe zu Insiderhandel und Kursmanipulation als haltlos. Der Justiziar des angeschlagenen Unternehmens, Dietmar Lutz, erklärte, dass Harlos und Häfele zwar dreimal Aktien aus ihrem Besitz veräußert hätten. Diese Verkäufe hätten jedoch nicht in Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Ad-hoc-Mitteilungen gestanden.