Insider-Affäre: Ermittlungsverfahren gegen Forgeard eingeleitet - DER SPIEGEL
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Insider-Affäre Ermittlungsverfahren gegen Forgeard eingeleitet

Die französische Justiz hat gegen Noël Forgeard ein förmliches Ermittlungsverfahren eingeleitet: Dem früheren EADS-Co-Chef wird Insiderhandel vorgeworfen. Der zweite Vorwurf, Täuschung der Finanzmärkte, wurde nach Angaben von Forgeards Anwalt fallengelassen.
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Hamburg - Nach anderthalb Tagen in Polizeigewahrsam ist Noël Forgeard wieder auf freiem Fuß - gegen Kaution durfte er das Gericht verlassen. Die auf Finanzdelikte spezialisierte Abteilung des Pariser Gerichts stellte ihn jedoch unter Justizaufsicht, wie der Anwalt des einstigen Top-Managers, Jean-Alain Michel, mitteilte. Die Ermittlungen gegen den ehemaligen Co-Chef des EADS-Konzerns   laufen weiter: Die französische Justiz hat ein förmliches Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandels eingeleitet. Der Vorwurf, der Täuschung der Finanzmärkte, sei fallengelassen worden, so Michel.

Die Einleitung eines förmlichen Ermittlungsverfahrens bedeutet in Frankreich noch keine Anklage und muss daher auch nicht zwingend zu einem Prozess führen. Der 61-jährige Forgeard und eine Reihe von anderen heutigen und ehemaligen Managern des Konzerns hatten im März 2006 von ihrem Recht zum Verkauf von Aktienoptionen Gebrauch gemacht. Ein Fehlverhalten weisen sie zurück.

Neben Forgeard müssen auch amtierende Spitzenmanager mit Verhören bei der Polizei rechnen. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, der Chef der EADS-Tochter Airbus, Thomas Enders, solle ebenfalls schon "in Kürze" vorgeladen werden. Nach französischem Recht können Verdächtige für ein Verhör 48 Stunden festgehalten werden - erst danach müssen sie einem Untersuchungsrichter vorgeführt werden.

Die Ermittler verdächtigen Forgeard, Enders und 15 weitere amtierende oder frühere EADS-Manager des Insiderhandels. Sie sollen frühzeitig von Problemen beim Prestigeprojekt A380 gewusst und dieses Wissen für Insidergeschäfte genutzt haben. Alle Verdächtigen haben Aktienoptionen eingelöst, bevor die A380-Schwierigkeiten bekannt gegeben wurden. Als die Nachricht die Märkte erreichte, stürzte der EADS-Aktienkurs um 26 Prozent ab.

Die "SZ" berichtete, dass neben Enders auch der ehemalige Airbus-Chef Gustav Humbert vorgeladen werden soll. Seine Vernehmung stehe "im Juni" an. Außerdem müsse Stefan Zoller, der Leiter der EADS-Verteidigungssparte, mit einer Vorladung rechnen. Insgesamt beschuldigt die französische Börsenaufsicht AMF 17 natürliche und zwei juristische Personen, in die Insider-Affäre verstrickt zu sein. Die Internet-Zeitung "Mediapart" hat die Namen der Verdächtigen im April genannt.

  • Aus dem früheren Airbus-Exekutivkomitee sind das: Gustav Humbert (ehemaliger Co-Chef), John Leahy (noch amtierend), Olivier Andriès, Charles Champion, Henri Courpron, Alain Flourens, Erik Pillet, Andreas Sperl und Thomas Williams (noch amtierend).
  • Folgende Verdächtige waren Mitglieder des EADS-Exekutivkomitees: Fabrice Brégier (heute Airbus-Vizechef), François Auque (Leiter der Division Astrium), Ralph Crosby (Leiter EADS Nordamerika), Jussi Itavuori (Personalchef) und Stefan Zoller (Leiter der Verteidigungssparte).
  • Ermittelt wird außerdem gegen Personen, die ebenfalls Mitglieder des EADS-Exekutivkomitees waren und gleichzeitig im Airbus-Aufsichtsrat saßen: Noël Forgeard (damals EADS-Co-Chef), Thomas Enders (heute Airbus-Chef) und Jean-Paul Gut (ehemaliger Markenvorstand).
  • Hinzu kommen die beiden Hauptaktionäre Lagardère und Daimler. Beide Unternehmen sollen frühzeitig von den A380-Problemen erfahren und daraufhin ebenfalls Aktien verkauft haben.

Theoretisch droht allen Verdächtigen das gleiche Schicksal wie Forgeard. Das heißt, sie könnten von den Behörden vorgeladen und nach französischem Recht 48 Stunden festgehalten werden.

Neben den genannten 17 Personen könnte dies auch Vertreter der Großaktionäre Lagardère und Daimler treffen. Laut "Süddeutsche Zeitung" muss zum Beispiel Rüdiger Grube mit einer Vorladung rechnen, der als Repräsentant von Daimler dem EADS-Verwaltungsrat vorsitzt.

Die Unternehmen EADS und Airbus halten sich zu der Affäre äußerst bedeckt. Die Ermittlungen der französischen Behörden seien eine "Privatangelegenheit der Betroffenen", sagte ein EADS-Sprecher SPIEGEL ONLINE. Dies gelte selbst dann, wenn es sich um amtierende Spitzenmanager handele. "Wir können nicht jeden einzelnen Ermittlungsschritt kommentieren."

Bei Airbus heißt es, man äußere sich nicht "zu Spekulationen". Dass Verdächtige über Nacht in Gewahrsam genommen werden, sei "in Frankreich ein übliches Verfahren, um Verhöre zu erleichtern".

Sollte der Franzose Forgeard auspacken, könnte es für den Deutschen Enders eng werden, schätzen Experten. Beide lieferten sich seinerzeit an der EADS-Spitze einen erbitterten Machtkampf.

ler/wal/AFP