Insider-Vorwurf FBI verhaftet Biotech-Manager
New York - Sein Frühstück hatte sich Samuel Waksal wohl anders vorgestellt. Um 6.30 Uhr standen vier Beamte des FBI vor seiner Tür. Der Ex-Chef von ImClone und Bruder des derzeitigen CEOs, Harlan Waksal, wurde abgeführt und soll noch am Mittwoch dem Richter vorgeführt und formell angeklagt werden. An der Technologiebörse Nasdaq notierte der Kurs der ImClone-Aktie, die seit Ende Dezember 80 Prozent ihres Wertes verloren hat, gegen 17 Uhr deutscher Zeit noch einmal vier Prozent niedriger als zum Vortagesschluss.
Mit der Verhaftung nimmt eine der größten Skandal-Geschichten in der US-Biotechbranche eine neue dramatische Wende. Waksal wird vorgeworfen, illegale Insiderverkäufe von ImClone-Aktien ermöglicht zu haben und in Verhören der Börsenaufsicht SEC Meineid begangen zu haben.
Der Hintergrund: Vier Verwandte Waksals sollen für 400.000 Dollar ImClone-Aktien auf den Markt geworfen haben - und zwar kurz bevor bekannt wurde, dass die US-Arzneimittelbehörde FDA einen Zulassungsantrag für das Darmkrebs-Medikament Erbitux abgelehnt hatte. Da Erbitux das einzige wichtige Produkt des Unternehmens ist, brach der Aktienkurs nach dieser Nachricht massiv ein. Auch Waksals Tochter soll 2,5 Millionen Dollar durch den Verkauf von ImClone-Aktien kurz vor Bekanntwerden des FDA-Votums kassiert haben. Ebenfalls unter Verdacht steht die in den USA bekannte TV-Moderatorin und Unternehmerin Martha Stewart, eine Freundin der Waksal-Familie. Sie hat 3000 Aktien gerade noch rechtzeitig abgestoßen, bestreitet aber, von Waksal vorab auf die FDA-Entscheidung hingewiesen worden zu sein.
Geprellte Aktionäre werfen Waksal zudem vor, die Chancen des Krebsmedikamentes unrealistisch dargestellt zu haben. Derzeit untersucht auch ein Unterkomitee des US-Kongresses den Fall ImClone. Waksal sollte am Donnerstag vor den Parlamentariern aussagen.
In den ImClone-Strudel wurde auch das Pharmaunternehmen Bristol-Myers hineingezogen. Der Konzern hatte sich im vergangenen Jahr bereitgefunden, für einen 20-Prozent-Anteil an ImClone und eine Beteiligung an den Erbitux-Gewinnen zwei Milliarden Dollar zu zahlen. Auf Druck von Bristol-Myers war Samuel Waksal im März als CEO von ImCLone zurückgetreten und hatte das Amt an seinen Bruder Harlan übergeben. Auch die an der New Yorker Börse NYSE gelistete Bristol-Aktie hat seit Jahresbeginn gut die Hälfte ihres Wertes verloren.