Insiderhandel: EADS-Aktionäre fordern Schadenersatz - DER SPIEGEL
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Insiderhandel EADS-Aktionäre fordern Schadenersatz

Neuer Ärger für die Airbus-Mutter EADS: Der Konzern muss wegen der Verspätungen beim A380-Bau auch in Deutschland mit einem Schadenersatzprozess rechnen. Anleger wollen in einer Sammelklage Millionen erstreiten. Das Frankfurter Landgericht hat einen ersten Antrag zugelassen.
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München - Die Produktionsverzögerungen beim Großraum-Flugzeug A380 können den Airbus-Mutterkonzern bald noch teurer zu stehen kommen. Deutsche Anleger haben eine Sammelklage gegen den Luft- und Raumfahrtkonzern gestartet und fordern Schadenersatz in Millionenhöhe. Ihr Vorwurf: EADS   habe seine Aktionäre verspätet über Probleme beim A380-Bau informiert. Stattdessen sollen Manager, die von den Schwierigkeiten wussten, ihre Wertpapiere verkauft haben, bevor der Kurs nach Bekanntwerden der Produktionsverzögerungen sank.

Das Landgericht Frankfurt habe einen ersten sogenannten Musterfeststellungsantrag zugelassen, sagte Anleger-Anwalt Klaus Rotter am Dienstag in München. "Damit ist der Grundstein für ein Musterverfahren gelegt." Dafür sind mindestens zehn Kläger notwendig, die fehlenden neun Anträge hat die Kanzlei ebenfalls bereits eingereicht. Insgesamt vertreten die auf Anlegerrecht spezialisierten Anwälte von Rotter nach eigenen Angaben 30 EADS-Aktionäre - darunter auch institutionelle Investoren. Zusammen fordern sie 19 Millionen Euro Schadenersatz von dem Konzern. Experten rechnen damit, dass das Verfahren im kommenden Jahr beginnen kann.

Mit dem Verfahren vor einem deutschen Gericht gerät EADS von einer weiteren Seite unter Druck. Wegen des Verdachts auf Insiderhandel geht auch die französische Börsenaufsicht AMF gegen den Konzern vor. Die Aufsichtsbehörde hat mehrere frühere und amtierende Manager im Visier. Die Aufseher werfen den Managern vor, firmeninternes Wissen für illegalen Aktienhandel missbraucht zu haben. Sie sollen 2005 und 2006 eigene EADS-Aktien in Millionenhöhe abgestoßen haben, bevor die Probleme mit den Airbus-Programmen A380 und A350 öffentlich bekannt wurden. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin war wegen der Vorwürfe tätig geworden, in den USA ist außerdem ein weiteres Sammelverfahren klagender Aktionäre gegen EADS anhängig.

In der vergangenen Woche war ein Zwischenbericht der französischen Börsenaufsicht bekanntgeworden. Demnach konzentrieren sich die Ermittlungen nun auf sieben frühere und amtierende Manager des Konzerns. Zu den verdächtigten Managern zählt neben dem ehemaligen Co-Chef von EADS, Noël Forgeard, auch der Deutsche Andreas Sperl, der frühere Finanzvorstand des Konzerns und derzeitige Leiter der zu EADS gehörenden Elbe-Flugzeugwerke in Dresden.

Der Konzern wollte die Schadenersatzforderungen am Dienstag nicht kommentieren und verwies auf eine Stellungnahme aus der vergangenen Woche. Darin hatte das Unternehmen mitgeteilt, dass die französische Börsenaufsicht einige Vorwürfe fallengelassen habe. "EADS wird sich auch weiterhin verteidigen und die Stichhaltigkeit all seiner Argumente aufzeigen", hatte das Unternehmen erklärt.

Die von der deutschen Anwaltskanzlei Rotter vertretenen Klagen sollen in ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren münden. Vorteil eines solchen Verfahrens wäre, dass die Rechtsfragen und Sachverhalte in einem Verfahren geklärt würden. In diesem Verfahren würde es zunächst einmal nur um die Frage gehen, ob das Unternehmen tatsächlich erst bei der Bekanntgabe über die Verzögerungen Bescheid wusste oder schon früher.

tko/dpa/AFP