Insiderhandel: Millionengewinne per Handy - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Insiderhandel Millionengewinne per Handy

Immer ein, zwei Tage vor dem Deal kam der Anruf: Ein Investmentbanker der Credit Suisse soll sein Wissen über geplante Milliardenfusionen gezielt genutzt haben, um eigene Gewinne zu machen. Zur Hand ging ihm dabei ein Kollege in Pakistan, der per Handy informiert wurde.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

New York - Der 37 Jahre alte Investmentbanker Hafiz Muhammad Zubair Naseem soll zwischen April 2006 und Februar 2007 vertrauliche Informationen über mindestens neun Unternehmenszusammenschlüsse weitergegeben haben, darunter auch die über die 45-Millionen-Dollar-Übernahme des Energieriesen TXU. Der Credit-Suisse-Banker wurde gestern in New York verhaftet, ihm werden Betrug in 25 Fällen und Verschwörung vorgeworfen.

Der Junior-Banker, der im Energiebereich der Credit Suisse gearbeitet hat, soll die Informationen an einen Mittelsmann in Pakistan weitergegeben haben. Dieser soll dann im seinem und im Namen von Naseem Aktien gekauft und so insgesamt einen Gewinn von rund 7,5 Millionen Dollar erzielt haben. Die Anrufe auf das Mobiltelefon seines Mittelsmannes gingen immer wenige Tage vor der Veröffentlichung der Fusionen ein, wie die amerikanische Börsenaufsicht SEC ermittelte. In Pakistan soll es weitere Finanzmanager geben, die von den Informationen profitiert haben, diese habe man aber noch nicht identifizieren können.

Aufgeflogen war der Betrug im Februar, als auffällig viele Aktien des Energieriesen TXU gehandelt wurden, 18.000 Stück genau einen Tag, bevor die Übernahme bekannt gegeben wurden. "Naseem hatte Zugang zu diesen Informationen, weil die Übernahmen von seinen unmittelbaren Kollegen betreut wurden", heißt es in der Anklageschrift. Außerdem soll Naseems Arbeitsplatz in der Nähe eines Druckers gewesen sein, der von Mitarbeitern genutzt wurde, die für andere Bereiche zuständige waren.

"Wir sind schockiert und extrem enttäuscht, dass einer unserer Mitarbeiter nicht nur unser Vertrauen, sondern auch das unserer Kunden missbraucht hat", hieß es in einer Stellungnahme von Credit Suisse  . Man habe diese Vorgänge sofort an die zuständigen Behörden und die Börsenaufsicht weitergeleitet. Naseem drohen nach Angaben des Gerichts bis zu fünf Jahre Haft wegen Verschwörung und bis zu 20 Jahren Haft für jeden Betrugsfall.

sam/AP/Reuters