Insiderhandel: Universität verklagt AOL Time Warner - DER SPIEGEL
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Insiderhandel Universität verklagt AOL Time Warner

Die Vorwürfe gegen den Mediengiganten AOL Time Warner nehmen kein Ende: Nach Ansicht der University of California haben AOL-Gründer Steve Case und viele Spitzenmanager von AOL Time Warner die Anleger bewusst getäuscht und damit knapp eine Milliarde Dollar illegal in die eigene Tasche gewirtschaftet.
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Los Angeles/Washington - Allein Case soll zwischen Juli 2000 und November 2002 rund 157 Millionen Dollar an der Börse verdient haben, der ehemalige AOL-Präsident Robert Pittman habe es auf 94 Millionen Dollar gebracht. Insgesamt - so die Klageschrift, hätten Topmanager von AOL Time Warner in diesem Zeitraum 936 Millionen Dollar mit Insider-Geschäften abgeräumt, während die Öffentlichkeit noch über die wahre Finanzmisere des Unternehmens im Unklaren gelassen wurde.

Die Verwaltung der University of California, die nach eigenen Angaben vor der Fusion Time-Warner-Aktien im Wert von 800 Millionen Dollar besaß, beklagt einen Wertverlust ihrer Anteile von mehr als 450 Millionen Dollar. Deshalb verlangt die Universität gemeinsam mit der Amalgamated Bank, deren Aktienverlust bei 55,9 Millionen Dollar liegen soll, Schadenersatz.

Die beiden Kläger sind aus der Sammelklage gegen AOL Time Warner ausgeschert, weil sie sich von einem Prozess in Kalifornien größere Erfolge versprechen. In dem US-Staat können nämlich auch die Manager von Time Warner wegen ihrer Zustimmung zu der Fusion auf Vertrauensbruch verklagt werden. Außerdem müssen die Geschworenen in Kalifornien nicht einstimmig entscheiden, es genügt eine Mehrheit von neun zu drei Stimmen.

Nach Aussagen der Kläger waren die Veranwortlichen von AOL und Time Warner schon vor der Fusion über die sinkenden Werbeumsätze bei AOL informiert, hätten diese aber bewusst verschwiegen. Klägeranwalt William Lerach beruft sich dabei auf Gespräche mit frühreren AOL-Beschäftigten. "In den Monaten vor der Fusion wurden die AOL-Topmanager in häufigen Geheimsitzungen über die sinkenden Werbeumsätze aufgeklärt und sie berieten im wöchentlichen Rhythmus über die vernichtende Wirkung auf AOL", so Lerach gegenüber der "Washington Post".

Die Probleme bei AOL und insbesondere die sinkenden Werbeeinahmen gelten als einer der Hauptgründe für den massiven Kurseinbruch von AOL. Seit der Fusion im Januar 2001 haben die Aktien von AOL Time Warner mehr als 70 Prozent ihres Wertes eingebüßt.