Intel-Chef Craig Barrett "Sprengt die Wall Street"
München - Im Film rast ein "Dot-Comet" auf die Erde zu. Helle Aufregung in Amerika, vor allem an der Wall Street, wo der Komet in Kürze aufschlagen wird. In letzter Minute findet ein kleiner Junge - natürlich auf seinem Pentium-Computer - heraus, das es nur ein Tennisball ist, der auf die Erde zusteuert. Intel-Chef Craig Barrett, der den Film in Auftrag gegeben hat, sagt: "Mir wäre es lieber gewesen, ihr hättet die Wall Street gesprengt". Der mitgereiste Filmemacher ändert - natürlich an einem Computer mit Intel inside - eine Filmsequenz, und das mächtigste Finanzzentrum der Welt geht in die Luft. Applaus bei den gut zweihundert Firmenvertretern, die zum "Intel-Event" geladen sind.
Für Analysten hat der Intel-Chef wenig Verständnis: "Sie sagen die Vergangenheit voraus, nichts weiter. Auf die Frage, ob es mit dem Chipmarkt Ende des Jahres wieder aufwärts gehe, sagt er: "Analysten sagen das, aber sie haben den großen Abschwung auch nicht vorhergesehen. Sie setzen ständig ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel." Barrett selbst ist vorsichtig bei der Bewertung der momentanen Situation". Der Computermarkt läuft auf einem niedrigen Niveau stabil." Eine kleine Aufwärtsbewegung könnte es seiner Meinung nach im vierten Quartal dieses Jahres geben, wenn Microsoft sein neues Betriebssystem Windows XP startet.
"UMTS kommt mit Verspätung"
Für den Bereich Kommunikation ist Barrett um einiges skeptischer. "UMTS wird später kommen, als wir das alle erwarten", so seine Warnung. Die Begeisterung seines Vorstandskollegen Ron Smith, der schon von einer neuen, auf mobile Geräte ausgerichteten Intel-Strategie sprach, teilt er jedenfalls nicht. Der PC ist schon viele Male tot gesagt und tot geschrieben worden. Er wird auch diesmal nicht verdrängt werden. Ich glaube, dass PC und Handheld gut gemeinsam überleben können".
Die Dot.com-Krise ist auch an Intel nicht spurlos vorbeigegangen. Der eigene Wagniskapitalgeber Intel Capital, dessen Portfolio an der Spitze des Internetbooms rund zehn Milliarden Dollar wert waren, musste kräftig Federn lassen. Viele Beteiligungen wurden abgestoßen. Barrett bewertet Intel Capital momentan mit drei bis vier Milliarden Dollar. Doch von einer Krise des Internet will er nicht sprechen - im Gegenteil. "Es mag sein, dass in der großen Euphorie einige Überkapazitäten geschaffen wurden, aber das rasante Wachstum des Internet wird das schnell vergessen machen", sagt er und belegt seine Einschätzung mit Zahlen. Alle zwei Minuten, so Barrett, steige die Zahl der Internet-Nutzer um 400 Personen. In der gleichen Zeit würde Yahoo! rund 1,5 Millionen Seitenabrufe verzeichnen und bei Amazon Waren im Wert von rund 11.000 Dollar verkauft.
So gibt sich der Intel-Chef sicher, dass der Abschwung in der Computerbranche nicht von Dauer ist. Auf die Frage, ob seine Mitarbeiter seinen Optimismus teilen, lächelt er und sagt: "Meine Mitarbeiter wissen, dass sie sich genau 30 Minuten über einen Umschwung freuen können. Dann müssen sie wieder sehen, wie sie mit der anschwellenden Nachfrage klarkommen, und das kann auch unangenehm sein."