Interesse an ProSiebenSat. 1 Berlusconi sendet Signale
Rom - "Der Aufsichtsrat hat heute Kenntnis vom Verkaufsprozess der deutschen Sendergruppe ProSiebenSat. 1 genommen und sich darauf geeinigt, eine 'unverbindliche Interessensbekundung' zu präsentieren", teilte Mediaset heute nach einer Sitzung mit. Jedoch gelte in Zusammenhang mit der Operation strengste Vertraulichkeit. Eine Sprecherin von ProSiebenSat.1 wollte
sich zu der Ankündigung nicht äußern. Die Münchner Gruppe wird
mit fünf Milliarden Euro bewertet.
Jetziger Mehrheitseigner von ProSiebenSat.1 ist eine Investorengruppe um den US-Milliardär Haim Saban. Diese Investorengruppe hatte möglichen Kaufinteressenten eine Frist bis heute um Mitternacht für unverbindliche Kaufangebote genannt. Nach Angaben von Mediaset waren Saban und seine Partner über eine Bank an das italienische Unternehmen herangetreten, sich unverbindlich an einem Auktionsverfahren zu beteiligen.
Für Italiens größten privaten Medienkonzern, der von Berlusconis Familie kontrolliert wird, wäre ein möglicher Deal mit der deutschen Senderkette der erste Schritt auf einen Auslandsmarkt seit der Übernahme eines Mehrheitsanteils an der spanischen Fernsehstation Telecinco vor vier Jahren.
Gegen eine Übernahme von ProSiebenSat.1 durch das Berlusconi-Medienimperium regt sich in Reihen der deutschen Politik Widerstand. "Mein Vertrauen in den Mediaset-Konzern ist sehr begrenzt", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend, dem Handelsblatt
(Mittwochausgabe). Das Vorhaben der Italiener sei aus
kartellrechtlicher Sicht "leider unproblematisch". Mit dem Veto gegen einen Einstieg des Springer-Konzerns bei ProSiebenSat.1 sei zugleich die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass ein Ausländer zum Zuge kommt. Dass nun ausgerechnet Berlusconis
Mediaset einen Kauf plane, sei bedenklich. "Ich würde mir wünschen, dass sich eine andere Lösung findet", sagte Wend.
"Wir betrachten die Bemühungen des italienischen
Medienunternehmens Mediaset, den Fernsehsender ProSiebenSat.1 zu übernehmen, mit Sorge", teilten auch die Unions-Medienexperten Wolfgang Börnsen und Reinhard Grindel in einer gemeinsamen Erklärung in Berlin mit. Es müsse im Interesse aller medienpolitisch Verantwortlichen sein, "dass auch bei privaten Fernseh-Anbietern ein Mindestmaß an qualitativ guten und politisch unabhängigen Programmen gewährleistet ist", erklärten die CDU-Politiker.
Der Vorschlag der SPD, ausländischen Medienunternehmen nur eine Minderheitsbeteiligung zuzugestehen, werde jedoch in der EU auf wettbewerbsrechtliche Bedenken stoßen. "Grundsätzlich sind wir dafür, dass Fernsehprogramme eher aus Berlin, Köln, München oder Hamburg als aus Mailand, London oder Los Angeles gesteuert werden", erklärten Börnsen und Grindel.
Zur Mediaset-Gruppe gehören unter anderem die drei größten TV-Privatsender Italiens. Der Medienkonzern war bereits 2002 gemeinsam mit dem Australier Rupert Murdoch an einer Übernahme der KirchMedia interessiert, zu der ProSiebenSat.1 bis zur Pleite der KirchGruppe gehörte. Die Zeitung "La Stampa" hatte zuvor berichtet, dass der Deal - falls er über die Bühne gehen sollte - in Deutschland für eine "Revolution der Sitten und Gebräuche" sorgen könnte. Das seichte italienische TV wäre für die Deutschen "ein Kulturschock", hieß es.
kai/AP/dpa/Reuters