Interner Krisenplan: Private Geldkonzerne prüfen eigene Bad Bank - DER SPIEGEL
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Interner Krisenplan Private Geldkonzerne prüfen eigene Bad Bank

Es wäre die Notlösung für die maladen Privatbanken: Einem internen Plan zufolge stellen die Institute jetzt Überlegungen für eine gemeinsame Bad Bank an. Allerdings soll diese die Risiken nicht allein tragen - sondern offenbar der Staat bei möglichen Ausfällen Garantien geben.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Privatbanken denken offenbar über eine eigene Bad Bank nach. Das geht laut "Financial Times Deutschland" und der Nachrichtenagentur Reuters einem Arbeitspapier des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) hervor. In dem Papier werde eine mit Staatsgarantien ausgestattete Abwicklungsstelle vorgeschlagen. Über diese könnten die privaten Banken ihre faulen Wertpapiere auslagern.

Frankfurter Skyline: Interner Krisenplan zur Bankensanierung

Frankfurter Skyline: Interner Krisenplan zur Bankensanierung

Foto: DDP

Aus Finanzkreisen wurde SPIEGEL ONLINE bestätigt, dass beim BdB Überlegungen in Richtung einer Bad Bank angestellt werden. Allerdings sei ein solches Konzept noch nicht vom Vorstand abgesegnet und gelte dementsprechend nur als eine mögliche Option, um Banken von faulen Krediten zu entlasten.

Die Auslagerung der milliardenschweren faulen Wertpapiere in den Bankbüchern ist eine der Kernforderungen der Branche. Banken könnten so weitere Abschreibungen verhindern und einer Erosion ihres Eigenkapitals vorbeugen.

Die "Financial Times Deutschland" berichtete online, dass der Vorschlag der Privatbanken in den kommenden Tagen an die zuständigen Stellen übermittelt werden solle. Die Aufsichtsbehörden BaFin und Bundesbank müssten dem zustimmen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderte in den Fernsehsendern n-tv und N24 mehr Eigeninitiative von privaten Banken, die von faulen Wertpapieren betroffen sind. Diese sollten sich "selber in Gang setzen und selber kapitalisieren, nicht mit Steuergeld". Was dann übrigbleibe als "Good Bank" könne dann "gerne von den Dienstleistungen Gebrauch machen, die wir im Rahmen der Bankenabschirmung auch bereitstellen", sagte der SPD-Politiker.

Ein BdB-Sprecher wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE zu dem Vorgang nicht äußern. "Wir arbeiten an einem Beitrag für die Diskussion um Bad Banks in Deutschland", sagte ein Verbandssprecher lediglich.

Der BdB vertritt insgesamt über 220 deutsche Privatbanken, darunter Großinstitute wie Deutsche Bank, Commerzbank, Postbank, Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG. Als Privatbanken sind Geldhäuser definiert, die weder Genossenschaftsbanken sind, noch die Öffentliche Hand als Eigentümer haben.

Weitere Milliardenabschreibungen drohen

Analysten sehen bei den deutschen Privatbanken noch immer milliardenschwere Risiken. Allein die Commerzbank  , die Hypo Real Estate  , die Postbank   und die Aareal Bank   hätten noch toxische Wertpapiere von 93 Milliarden Euro in ihren Büchern, heißt es in einer am Freitag vorgelegten Studie der US-Bank JP Morgan.

Bei der Commerzbank, die kürzlich die Dresdner Bank übernommen hat, stehen nach Ansicht von JP Morgan voraussichtlich Abschreibungen von 20 Milliarden Euro an. Angesichts der vorgesehenen Staatshilfe sei dies für das Institut aber zu stemmen. Die zweitgrößte deutsche Bank hatte vom Staat Finanzhilfen über 18 Milliarden Euro bekommen.

Auf die Postbank sehen die Experten vier Milliarden Euro Wertberichtigungen zukommen, auf die Hypo Real Estate acht Milliarden und auf die Aareal Bank zwei Milliarden Euro. Branchenprimus Deutsche Bank hat laut Aussagen von Vorstandschef Josef Ackermann dagegen keine riskanten Papiere mehr im Portfolio.

Steinbrück offen für individuelle Bad-Bank-Lösungen

Die Bundesregierung berät am Freitag über Nachbesserungen am Bankenrettungsschirm. Das "Handelsblatt" und Reuters berichten, bei den Gesprächen werde ebenfalls diskutiert, ob Geldinstitute ihre faulen Wertpapiere in Bad Banks parken sollen.

Der Bund übernähme dabei vorläufig die Garantie für die Kreditrisiken. Auf diese Weise sollen die Banken davon entlastet werden, in der jetzigen Krisensituation ihre Papiere noch weiter abschreiben zu müssen.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück plant offenbar, dass die Banken die so ausgelagerten Papiere mit Eigenkapital unterlegen müssen. Sollten die Papiere fällig werden und der Marktpreis unter dem Einstandspreis in der Zweckgesellschaft liegen, müsste die Bank für den Verlust selbst einstehen. Kann sie dies nicht, springt letztlich doch der Bund ein, vermutlich über eine Beteiligung an dem Institut. Werden die Papiere dagegen fällig und liegen über dem Wert, zu dem sie ursprünglich geparkt worden waren, teilen sich Bank und Bund den Profit.

Analysten von Equinet halten es für wahrscheinlich, dass bald eine Entscheidung über den Aufbau einer oder mehrerer Bad Banks zur Auslagerung von riskanten Papieren steht. Profitieren davon würde ihrer Einschätzung nach vor allem die Postbank. Auch sei nicht auszuschließen, dass die Deutsche Bank Papiere an ein solches Vehikel übertrage.

Das Bundesfinanzministerium rechnet dagegen nicht mit einer schnellen Lösung bei der seit Wochen geführten Diskussion über den Umgang mit problematischen Papieren. Es gebe keine Lösung, die nicht gleichzeitig andere schwerwiegende Probleme mit sich ziehe, erklärte Ministeriumssprecher Torsten Albig.

Endgültig vom Tisch ist Reuters zufolge die Bildung einer großen nationalen "Bad Bank", in der alle faulen Wertpapiere unter staatlicher Regie gesammelt werden und wie sie nun US-Präsident Barack Obama erwägt.

ssu/dpa-AFX/Reuters