Internet MySpace will Fotoportal kaufen
Las Vegas/San Francisco - Beide Unternehmen hätten eine vorläufige Einigung auf einen Kaufpreis von 250 Millionen Dollar in bar erzielt, hieß es heute aus informierten Kreisen. Damit könnte sich der vom Medienunternehmer Rupert Murdoch kontrollierte Marktführer MySpace ein rapide wachsendes Internet-Startup-Unternehmen einverleiben, das nur vier Jahre nach seiner Gründung fast vierzig Prozent des US-Markts für Foto-Börsen abdeckt.
Photobucket stellt Internetnutzern Platz zum Speichern ihrer Fotos zur Verfügung. Von dort aus können die Bilder dann von Netzwerk-Seiten wie MySpace, Friendster oder eBay abgerufen werden. Derzeit hat Photobucket 41 Millionen registrierte Nutzer und gehört damit zu den 50 meistbesuchten Internetseiten überhaupt. Das Wachstum ist rasant: Ende 2006 verzeichnete das Portal noch 32 Millionen Aufrufe, 2004 waren es erst zwei Millionen. Insgesamt sind knapp 2,8 Milliarden Bilder abrufbar.
In den Kreisen wurde betont, die Übernahmevereinbarung sei vorläufig und könne auch noch scheitern. Vor der offiziellen Verkündung der Akquisition müssten beide Seiten allerdings noch einige Details klären, schrieb der anonyme Informant am Montag in einem Eintrag im Valleywag , dem Technoklatschblog des Silicon Valley. Sprecher beider Unternehmen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Symbiose mit Spannungen
Photobucket wurde in einem Vorort von Denver von zwei jungen Ingenieuren gegründet, die nach dem Ende des Internet-Booms eine einfache und weniger kommerzielle Alternative zu bestehenden Foto-Portalen schaffen wollten. Das Wachstum der Seite ist eng an den Aufstieg von MySpace gekoppelt gewesen, für das Photobucket als eine Art ausgelagerte Bild-Datenbank fungiert: Fast 60 Prozent der Zugriffe kommen laut dem Marktforscher Hitwise von MySpace-Internetangeboten.
Die Symbiose hat aber auch schon Spannungen erlebt: Im April blockierte MySpace nach einem Streit zeitweise die Verlinkung auf Photobucket. Zur Begründung hieß es, Photobucked habe seine User dazu aufgefordert, Werbematerial in ihren Videos zu verwenden und damit gegen die Hauseigenen Nutzungsbedingungen verstoßen.
Wie die Branchen-Website ZDnet berichtet, sahen Experten damals in dem Streit bereits den Hinweis auf eine mögliche Übernahme. Ihrer Myspace versuche mit seiner Blockade, den Kaufpreis zu drücken, indem es Photobucket demonstrierte, wie sehr die Foto-Sharing-Site vom Traffic des Social-Networking-Portals abhängig sei, hieß es.
Doch so wie es aussieht, ist Photobucket ohnehin ein Schnäppchen, jedenfalls im Vergleich zu YouTube. Michael Arrington vom US-amerikanischen Technologiemagazin Techcrunch.com verweist auf den Preis pro Unique User, der bei dem Photoportal lediglich 13 Dollar beträgt. Dagegen habe die Internetsuchmaschine Google pro YouTube-Nutzer 63 Dollar bezahlt. Außerdem sei weniger Ärger zu befürchten, weil die Bilder auf Photobucket in der Regel keine Lizenzprobleme bereiteten.
mik/Reuters