Intershop Dickes Finanzpolster beantragt
Hamburg/Jena - "Wir haben die erste Phase des Turn arounds erfolgreich vollzogen", sagte der neue Vizepräsident für Zentraleuropa, Michael Tsifidaris, zwei Tage vor der Hauptversammlung am Mittwoch in Hamburg. Mit einer umfangreichen Neustrukturierung unter anderem im Vertrieb könne sich das Unternehmen jetzt gestärkt den veränderten Marktbedingungen stellen.
Im ersten Quartal dieses Jahres habe Intershop die Kosten bereits um knapp ein Fünftel gesenkt. Allerdings rechnet der einstige Börsenliebling erst für das vierte Quartal wieder mit schwarzen Zahlen. Insgesamt erwartet Intershop bei einem Umsatz von 140 bis 160 Millionen Euro wie im Vorjahr einen Verlust von knapp 40 Millionen Euro. Intershop will sich auf der Hauptversammlung die Genehmigung für die Ausgabe von Wandelschuldverschreibungen in Höhe von 500 Millionen Euro bis 2006 genehmigen lassen. Dieser Rahmen werde jedoch nicht notwendigerweise voll ausgeschöpft, sagte der Finanzvorstand Wilfried Beeck dem "Handelsblatt". Eine so genannte Wandelschuldverschreibung ist ein Kredit, der bei Bedarf in Stammaktien zurückgezahlt werden kann.
Ende März verfügte Intershop laut Quartalsbericht über liquide Mittel von 76 Millionen Euro. Beeck erwartet in der Geschäftsentwicklung von Intershop eine Aufwärtstendenz. Die Kostensenkungen würden funktionieren und auch ein Anstieg der Auftrageingänge sei spürbar.
Intershop will seine Software künftig aggressiver in den Markt drücken. Mit der stärkeren Ausrichtung auf den Business-to-Business-Markt sei das Unternehmen hervorragend platziert. "In einem Jahr wird man in der Situation, die wir heute durchleben, die Geburtsstunde eines neuen Marktes erkennen", sagte Tsifidaris, der zuvor bei IBM tätig war.
Die Aktionäre, die ihr Geld verloren haben, werden bei der Hauptversammlung im Congress Centrum Hamburg ihrem Ärger Luft machen. Ob die Visionen des Vorstands ausreichen, um wieder Vertrauen in das Management herzustellen, ist offen. Analysten bei den Banken loben zwar die Qualität der Intershop-Produkte, bemängeln aber die zu geringe Größe des Unternehmens. "Intershop hat noch nicht die kritische Masse erreicht, die ein profitables Geschäft ermöglichen würde", hieß es unlängst in einer Analyse der Hamburger Warburg-Bank.