Intershop: "Glaubwürdigkeit verloren" - DER SPIEGEL
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Intershop "Glaubwürdigkeit verloren"

Der Software-Spezialist Intershop hat mit einer Gewinnwarnung einen Kurseinbruch seiner Aktie ausgelöst. Analysten erhoben schwere Vorwürfe gegen das Management.
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Frankfurt am Main - Intershop teilte mit, dass nach vorläufigen Zahlen für das vierte Quartal 2000 mit einem Umsatz zwischen 28 und 30 Millionen Euro gerechnet werde. Zuvor hatte der Anbieter von Software für den Handel im Internet 40 bis 50 Millionen Euro prognostiziert. Der Nettoverlust im vierten Quartal werde voraussichtlich zwischen 30 und 32 Millionen Euro betragen. In der vorherigen Prognose war der Verlust nicht näher präzisiert worden.

Hintergrund der nach unten korrigierten Geschäftszahlen sei eine Verlangsamung von IT-Investitionen und eine Verlängerung der Vertriebszyklen. Viele Unternehmen, insbesondere in den USA, hätten die für das vierte Quartal erwarteten Investitionen in den elektronischen Handel (E-Commerce) auf das Jahr 2001 verschoben, teilte Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck mit.

"Trotz des enttäuschenden vierten Quartals sind wir mit dem Umsatzwachstum in 2000 von rund 165 Prozent gegenüber dem Vorjahr zufrieden." Für das Gesamtjahr 2000 werde ein Umsatz zwischen 121 und 123 Millionen Euro und ein Nettoverlust zwischen 37 und 39 Millionen Euro erwartet.

Die inzwischen in San Francisco ansässige Intershop war 1992 in Jena gegründet worden und galt bislang als eines der Aushängeschilder für den wirtschaftlichen Aufbau Ostdeutschlands. Der Kurs der seit dem 16. Juli 1998 am Neuen Markt gehandelten und seit September 2000 auch an der Nasdaq notierten Intershop-Aktie hatte sich von November 1999 bis März 2000 mehr als versechsfacht.

Zusammen mit dem Kurseinbruch vom Dienstag hat das Papier im Vergleich zu seinem Höchststand von gut 140 Euro im März mittlerweile aber mehr als neun Zehntel seines Wertes verloren. Mit einem Handelsvolumen von mehr als 5,3 Millionen Stück waren die Intershop-Papiere bis zum frühen Nachmittag die am stärksten gehandelten Aktien auf Xetra, noch vor denen der Deutschen Telekom.

Michelle Lang, Analystin beim Bankhaus Sal. Oppenheim, nannte die Ergebniswarnung überraschend. Die schlechte Nachricht von Intershop zum Jahresauftakt belaste die gesamte Branche. "Wir haben mit einem negativen Ergebnis gerechnet", sagte Axel Herlinghaus, Analyst bei der GZ-Bank, sagte: "Die Gewinnwarnung kommt zu einer Unzeit, nachdem der Markt sich eigentlich positiv auf das neue Jahr eingestellt hatte." Dies sei ein erneuter harter Schlag, der sicherlich kurzfristig die Zurückhaltung der Anleger weiter stärke.

"Mit dieser Gewinnwarnung hat das Management von Intershop den letzten Rest seiner Glaubwürdigkeit verloren", sagte ein Analyst der Deutschen Bank. Die Intershop-Aktie sei auf der Basis der neuen Prognose mit einem Kurs von unter zehn Euro fair bewertet.