Interview: "Die Pleitemeldungen müssen ein Ende haben" - DER SPIEGEL
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Interview "Die Pleitemeldungen müssen ein Ende haben"

Die Deutsche Börse hat heute neue Regeln vorgestellt, die das Vertrauen in den Neuen Markt wieder herstellen sollen. Genügt das? SPIEGEL ONLINE sprach darüber mit dem Vorsitzenden des Deutschen Anlegerschutzbundes, Matthias Schröder.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Reichen die strengeren Regeln der Deutschen Börse für den Neuen Markt aus, um das Vertrauen in das Wachstumssegment wieder herzustellen?

Matthias Schröder: Die Regeln erfüllen im Wesentlichen die Forderungen, die wir gestellt haben. Insofern sind wir zufrieden. Um das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, müssen die Firmen am Neuen Markt aber noch einiges tun. Das bedeutet zunächst, dass aufgestellte Prognosen eingehalten werden. Die regelmäßigen Gewinnwarnungen und Pleitemeldungen müssen endlich ein Ende haben. Die Regeln alleine werden sicherlich nicht helfen.

SPIEGEL ONLINE: Der Vorsitzende der Regierungskommission "Corporate Governance", Theodor Baums, fordert darüber hinaus eine Verschärfung des Haftungsrechts.

Schröder: Seine Forderung richtet er aber an den Gesetzgeber, denn dafür ist der zuständig. Die Deutsche Börse kann das nicht in ihrem Vertragswerk regeln. Auch wir fordern ein solches Gesetz schon lange.

SPIEGEL ONLINE: Ist es überhaupt rechtlich möglich, Firmen vom Neuen Markt zu verbannen, wenn sie die neu festgelegten Kriterien nicht erfüllen? Die werden sich auf ihre Verträge berufen.

Schröder: So einfach ist ein Ausschluss tatsächlich nicht. Das war ja auch der Grund, warum die Änderung des Regelwerks so lange gedauert hat. Soweit ich informiert bin, gehen die Juristen der Deutschen Börse davon aus, dass sie die entsprechende Vertragsmacht haben. Allerdings habe ich auch gehört, dass einige Marktteilnehmer, die davon betroffen sind, zumindest überprüfen wollen, ob die Deutsche Börse so eine gravierende Änderung einseitig vollziehen kann. Meiner Auffassung nach müsste es aber möglich sein.

SPIEGEL ONLINE: Was bedeutet das denn für die Kurse der Penny Stocks?

Schröder: Man muss davon ausgehen, dass ein Delisting den Kurs der betroffenen Unternehmen weiter nach unten treiben wird. Sie werden aber weiterhin die Möglichkeit haben, ihre Unternehmensanteile am Markt zu handeln.

SPIEGEL ONLINE: Einige Unternehmen werden den Rausschmiss sicherlich zu Recht als ungerecht empfinden.

Schröder: Mit Sicherheit gibt's unter den Penny Stocks auch das eine oder andere solide Unternehmen, das eigentlich nicht zu den Opfern der Regelverschärfung gehören sollte. Vielleicht ist in solchen Fällen eine Ausnahmeregelung sinnvoll. Aber das sind Einzelfälle. Wichtiger ist, dass die Unternehmen vom Wachstumsmarkt verbannt werden, die insolvent sind. Unternehmen wie TelDaFax sind es nämlich, die zum Vertrauensverlust in den Neuen Markt beigetragen haben.

SPIEGEL ONLINE: Und wie lange wird es dauern, bis die neuen Regeln der Deutschen Börse wieder zu Kurssteigerungen am Neuen Markt führen werden?

Schröder: Die Regeländerungen allein werden kaum zu einer Steigerung der Kurse führen. Sie bieten nur die Grundvoraussetzungen dafür. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Signalwirkung, die davon ausgeht, von herausragender Bedeutung ist.

Das Interview führte Michael Kröger