Interview: "Mehr Transparenz" - DER SPIEGEL
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Interview "Mehr Transparenz"

Margareta Wolf, Staatssekretärin im Bundeswirtschaftsministerium, sieht im Ehrenkodex für Analysten und Journalisten nur Gutes. Sie will ihn notfalls mit gesetzlichem Zwang durchsetzen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Analysten und deren Banken sollen künftig offen legen, welche Aktien sie besitzen. Wertpapiere, über die der Analyst regelmäßig berichtet, sollen aus dem persönlichen Depot verschwinden. Werden Anlagetipps dadurch wieder seriöser?

Wolf: Der Kodex wird gerade am Neuen Markt zu realitätsnäheren Bewertungen führen. Anlageempfehlungen bekommen mehr Transparenz zum Beispiel durch die Offenlegung möglicher Interessenkollisionen, und der Anleger erhält zusätzliche Sicherheit und Verlässlichkeit.

SPIEGEL: Sind die Strafen ­ bis 50 000 Euro für Einzelpersonen, bis 500 000 Euro für Firmen ­ wirklich hoch genug?

Wolf: Die Sanktionen sollten schon präventiv wirken. Wir werden über die Einzelheiten mit den Marktteilnehmern noch einmal sprechen. Das Regelwerk soll ab Mitte des Sommers gelten, bis dahin ist noch etwas Zeit.

SPIEGEL: Warum sollen die Spielregeln auch für Finanzjournalisten und so genannte Börsengurus gelten?

Wolf: Weil viele Anleger ihre Informationen aus den Medien beziehen, aus Anlagemagazinen, Börsenbriefen oder TV-Sendungen ­ und nicht direkt vom Analysten. Selbst die "Bild"-Zeitung hat ja Tipps für den Neuen Markt veröffentlicht.

SPIEGEL: Der Kodex gilt aber nur für diejenigen, die ihn unterschreiben. Wird solch eine Selbstverpflichtung funktionieren?

Wolf: Bisher gibt es von den Analysten praktisch nur Zuspruch. Sie erhoffen sich, durch den Kodex das Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen. Letztlich ist es ja auch eine Imagefrage, wenn bekannt wird, dass der eine oder andere sich dem Kodex nicht angeschlossen hat.

SPIEGEL: Und wenn dennoch nur wenige Analysten und Medien unterschreiben?

Wolf: Dann müssen wir überlegen, ob man nicht doch zu gesetzlichen Maßnahmen greift. Wir werden die weitere Entwicklung nach zwei Jahren bewerten, aber bis dahin wollen wir sehen, was der Wettbewerb bringt.

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