Interview mit Apple-Manager "Wir kommen nicht nach"
SPIEGEL ONLINE:
Herr Schiller, am Dienstag hat Apple mit mehrmonatiger Verzögerung die neueste Version des iMac vorgestellt und damit ein Loch in der Produktpalette gestopft. Wird Ihnen der neue Rechner helfen, Marktanteile zurückzugewinnen?
Philip Schiller: Ich kann Ihnen da jetzt noch keine Umsatzprognose geben. Aber es war Zeit für ein neues iMac-Design, und wir wollten ihn jetzt unbedingt auf den Markt bringen.
SPIEGEL ONLINE: Sie setzen weiterhin auf Komplettrechner. Viele Leute hätten allerdings gerne einen abgespeckten iMac ohne Bildschirm. Warum gibt es den nicht?
Schiller: Das All-in-one-Konzept ist uns weiterhin sehr wichtig. Das gilt für den neuen iMac noch mehr als für unsere bisherigen Produkte. Denn der User muss sich mit noch weniger Komponenten und Kabeln auseinandersetzen.
SPIEGEL ONLINE: Glauben sie, dass andere Apples iMac-Design kopieren werden?
Schiller: Unwahrscheinlich. Vielleicht versucht es jemand, aber vermutlich wird es ihm nicht gelingen. Die meisten unserer Mitbewerber bauen Computer doch folgendermaßen: Sie fliegen nach Taiwan und schauen, was bei den Herstellern im Angebot ist. Dann kommt alles in eine graue Metallkiste. Vielleicht entwerfen sie noch eine eigene Plastikblende für die Vorderseite, und fertig ist der PC. Den anderen fehlen Expertise und Designteams. Deshalb fällt es ihnen in der Regel sehr schwer, Apple zu kopieren.
SPIEGEL ONLINE: Die Mehrheit der Computernutzer ist aber auf besagte graue Metallkiste abonniert. Glauben Sie wirklich, dass Ihr ungewöhnliches iMac-Design mehr Leute als bisher ansprechen kann?
Schiller: Auf jeden Fall. Es ist ja okay, dass es Unternehmen gibt, die 0815-Computer machen. Aber es gibt genug davon. Das machen wir nicht, wir versuchen immer eine besonders innovative Lösung zu finden.
SPIEGEL ONLINE: Wie steht es eigentlich mit dem Mac-Betriebssystem OS X? Apple behauptet immer wieder, dass es Windows um Längen überlegen sei. Warum machen sie davon nicht eine PC-Version? Zumal Microsoft seinen Windows-Nachfolger Longhorn ja gerade wieder einmal verschoben hat.
Schiller: Wir bieten lieber auf dem Mac eine Komplettlösung an. Da passen Soft- und Hardware zusammen und alles funktioniert. Dabei bleiben wir.
SPIEGEL ONLINE: Im Musikgeschäft haben sie einen Deal mit Motorola, um iTunes aufs Handy zu bringen. Sprechen Sie auch mit den großen europäischen Mobilfunkanbietern?
Schiller: Wir sprechen mit den Carriern. Zunächst einmal werden wir allerdings im Herbst weitere iTunes Music Stores in europäischen Ländern eröffnen.
SPIEGEL ONLINE: Microsoft startet angeblich am Donnerstag seinen eigenen Musikdienst, sind sie nervös?
Schiller: Nein. Es gibt ja bereits mehrere Wettbewerber, die am Markt sind. Dennoch wächst unser Marktanteil weiter.
SPIEGEL ONLINE: Ihr Konkurrent Real Networks hat den iPod geknackt, dank Reals Harmony-Software kann man darauf nun auch Songs des Real-Musikdienstes speichern. Erwägt Apple juristische Schritte?
Schiller: Wir schauen uns natürlich genau an, was Real getan hat. Und wir möchten den Kunden darauf hinweisen, dass wir nicht für Reals technische Modifikationen verantwortlich sind und keineswegs garantieren können, dass Harmony mit dem iPod auch in Zukunft funktionieren wird.
SPIEGEL ONLINE: Wann wird denn der iPod mini in Europa in ausreichender Menge erhältlich sein?
Schiller: Wir versuchen, so viele zu produzieren wie möglich, aber die Nachfrage ist riesig. Wir kommen nicht nach, aber das ist die Art von Problem, die man eigentlich gerne hat.
SPIEGEL ONLINE: Und der iMac? Ist der von Anfang überall verfügbar?
Schiller: In einigen Wochen beginnen wir mit der Auslieferung. Allerdings erwarte ich, dass die Nachfrage zunächst recht hoch sein könnte. Entsprechend dürfte das Angebot am Anfang knapp sein. Wir werden aber alles tun, um die Kundennachfrage zu befriedigen.
Das Interview führte Thomas Hillenbrand