Interview mit MobilCom-Chef Schmid: Free PC ohne Verpflichtungen? - DER SPIEGEL
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Interview mit MobilCom-Chef Schmid Free PC ohne Verpflichtungen?

MobilCom-Chef Gerhard Schmid hält nichts davon, seine Kunden für einen Free PC zwangsweise zu Werbung oder Langfristverträgen zu vergattern. Er hat sich eine andere Variante einfallen lassen.
Von Gerlinde Pölsler
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Sie haben in Deutschland als erster angekündigt, einen PC zu verschenken, wenn man über Ihren Provider ins Internet geht. Nun will AOL damit sogar noch vor Weihnachten auf den Markt gehen. Hat AOL Ihnen die Show gestohlen?


Schmid: Als erste sind immerhin wir damit in der Zeitung gestanden. Ob die anderen es wirklich als erste bringen, muss man erst abwarten. Und außerdem bezweifle ich, dass sie tatsächlich von einem Free PC reden, ob man sich nicht dazu verpflichten muss, zwei Jahre dabeizubleiben, einen Katalog zu beziehen und vielleicht noch bei Beate Uhse einzukaufen - das ist doch alles absoluter Quatsch. Bei einem wirklichen Free PC sage ich, lieber Kunde, du willst ins Internet, hier hast du den PC, wenn du ihn nutzt, ist es in Ordnung, wenn nicht, gibst du ihn zurück. Und es gibt keine Mindestlaufzeit.


SPIEGEL ONLINE: Bei Ihnen muss man sich zu gar nichts verpflichten?


Schmid: Nein, es wird ein echter Free PC, sonst bringen wir ihn nicht. Alles andere ist ein Bauerntrick, eine Augenauswischerei, und das durchschauen die Kunden ganz schnell.


SPIEGEL ONLINE: Wie können Sie da sicher sein, Ihre Kosten wieder hereinzubringen?


Schmid: Sicher sind wir nie, aber wir können uns darauf verlassen, dass sich der Kunde normal verhält. Wozu braucht er denn einen PC, wenn er nicht surfen will?


SPIEGEL ONLINE: Vielleicht möchte er zu einem anderen Anbieter wechseln?


Schmid: Wenn ich mir sicher bin, dass der Kunde meine Leistung schätzt, kann ich ihm die Freiheit geben, kurzfristig wieder auszusteigen. Sonst habe ich nur einen unzufriedenen Kunden, der zehn anderen Leuten erzählt, was für ein bescheidenes Unternehmen wir sind.


SPIEGEL ONLINE: Sie vertrauen also darauf, dass die meisten ohnehin bleiben?


Schmid: Der Kunde ist sehr berechenbar. Er will nichts anderes als eine gute Leistung zu einem akzeptablen Preis.


SPIEGEL ONLINE: Wie lange soll denn die Rückgabeverpflichtung gelten? Wenn jemand nach fünf Jahren aussteigt, muss er den PC dann auch noch zurückgeben?


Schmid: Solange der Rechner noch irgendwie von Wert ist, muss er ihn zurückgeben.


SPIEGEL ONLINE: Wie legen Sie das fest, wie lange er von Wert ist?


Schmid: Das kann man heute nicht festlegen.


SPIEGEL ONLINE: Im Vertrag wird also stehen: Wann immer man aussteigt, muss man ihn zurückgeben.


Schmid: So wird es drinstehen, und das ist auch fair.


SPIEGEL ONLINE: Wird es bei Ihnen, wie in den USA üblich, die Verpflichtung geben, für eine gewisse Zeit auf der Festplatte und im Internet Werbung zu empfangen und diese nicht zu löschen?


Schmid: Das wäre ja Vergewaltigung, oder?


SPIEGEL ONLINE: Offenbar können viele damit leben, wenn es dafür billig kommt.


Schmid: Die Zahl der Menschen, die sich von morgens bis abends mit Werbung berieseln lassen wollen, ist eine geringe. Das sind nur wenige Schnäppchenjäger.


SPIEGEL ONLINE: Wie viele zusätzliche Kunden hoffen Sie denn mit Ihrem Angebot an Land zu ziehen?


Schmid: Wir werden sehr viele Kunden mit unserem Angebot überzeugen können. Ich kann keine Zahlen nennen, denn wir reden über eine Zeitspanne von bis zu zwölf Monaten und über ein Produkt, das es noch nicht gibt.


SPIEGEL ONLINE: Werden Sie nach der Ankündigung von AOL nun einen Zahn zulegen und auch noch vor Weihnachten mit dem Gratis-PC auffahren?


Schmid: Nein. Es wird innerhalb eines Jahres sein, und zwar dann, wenn die Produktionskosten niedriger sind als jetzt. Wie schnell das der Fall sein wird, kann ich nicht sagen.

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