Interview mit Vattenfall-Chef: "Es muss eine Grundsatzdiskussion über Kernkraft geben" - DER SPIEGEL
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Interview mit Vattenfall-Chef "Es muss eine Grundsatzdiskussion über Kernkraft geben"

Die CDU hat für den Fall eines Wahlsieges im Herbst eine Verlängerung der Atomausstiegsfristen in Aussicht gestellt. SPIEGEL ONLINE sprach mit Klaus Rauscher, dem Chef des Energiekonzerns Vattenfall Europe, über den Neubau von Kernkraftwerken und die Chancen für geringere Strompreise.
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SPIEGEL ONLINE:

Haben Sie den Sekt aufgemacht, nachdem Angela Merkel angekündigt hat, den Atomausstieg im Fall eines CDU-Wahlsieges zu kippen?

Rauscher: Dazu gibt es keinen Anlass. Bislang ist nur von einer Verlängerung der Restlaufzeiten unserer Kraftwerke die Rede. Wenn wir in Zukunft aber wieder Ökonomie und Ökologie in ein Gleichgewicht bringen wollen, was zweifelsohne nötig ist, dann muss es unter der nächsten Bundesregierung auch wieder eine Grundsatzdiskussion über Kernkraft in Deutschland geben. Und kurzfristig sollte eine neue Regierung die Subventionen für die Windenergie zurückfahren.

SPIEGEL ONLINE: Planen Sie neue Kernkraftwerke?

Rauscher: Derzeit ist ein Neubau in Deutschland für mich nicht aktuell. Aber es kann für uns durchaus langfristig in einer europäischen Energiepolitik auch grenzüberschreitende Kooperationen geben, das gilt auch für die Kernenergie.

SPIEGEL ONLINE: Ihnen fehlt immer noch eine Endlager für den Atommüll aus den Kernkraftwerken wie Brokdorf, Brunsbüttel und Krümmel in Schleswig-Holstein.

Rauscher: Die Endlagerung ist Aufgabe des Bundes, und dabei bleibt es. Eine neue Bundesregierung muss unverzüglich das Moratorium aufheben, um die Erkundung des Salzstockes bei Gorleben voranzutreiben. Das Vorgehen des derzeitigen Umweltministers, alternative Standorte zu suchen, bietet keine Chance, ein Endlager termingerecht bis 2030 fertig zu stellen.

SPIEGEL ONLINE: Würden nach einem Comeback der Kernenergie die Strompreise sinken?

Rauscher: Um konventionelle Kraftwerke zu ersetzen, die in den nächsten Jahren vom Netz gehen, werden wir erheblich investieren müssen. Auf die Strompreise wirken sich längere Laufzeiten deshalb erst mittelfristig aus.

Das Interview führte Sebastian Knauer