Interview: UMTS-Alternative bis zum Jahresende - DER SPIEGEL
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Interview UMTS-Alternative bis zum Jahresende

Der Schüler Sascha Sebastian Haenel hat es mit sehr einfachen Mitteln geschafft, eine günstige Alternative zu der UMTS-Technologie zu entwickeln. Im SPIEGEL-ONLINE-Interview berichtet er über erste Verhandlungen und weitere Pläne.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Gibt es schon konkrete Pläne, Ihre Idee umzusetzen?

Haenel: Ja, die gibt es, und zwar bin ich jetzt mit Siemens im Gespräch. Ich werde unter einer entsprechenden Geheimhaltungsverpflichtung meine technischen Informationen weitergeben, damit die Entwicklung eines Endgerätes geprüft werden kann. Es geht auch darum, wie schnell das gehen könnte. Der Prototyp ist bereits im Rahmen des Wettbewerbs "Jugend forscht" getestet worden.

SPIEGEL ONLINE: Was tun Sie, wenn Sie da nicht weiterkommen?

Haenel: UMTS ist ja sehr teuer und beschränkt sich bei seinem Start auf Ballungsräume. Insgesamt wird UMTS noch lange eine "Insellösung" bleiben. Die jetzigen Handynetze sind aber schon in 98 Ländern weltweit verfügbar. Interessant wäre mein Ansatz also sowohl für die Anbieter, die keine Lizenz ersteigern konnten, und für die Gebiete, in denen UMTS aus Kostengründen nicht verfügbar ist.

SPIEGEL ONLINE: Wie schnell könnte ein multimediafähiges Handy mit Ihrer Technologie gebaut werden?

Haenel: Mit Siemens bin ich ja gerade erst am Anfang, doch es ist absehbar, das dies zum Ende des Jahres möglich sein könnte. Ich brauche dafür keine Veränderung im Handy selbst, sondern muss nur die Programmierung des Handys ändern, und das ist eigentlich sehr einfach machbar. Für meinen Prototyp habe ich ja auch ein marktübliches Handy von Nokia verwendet.

SPIEGEL ONLINE: Wie hat man bei Nokia auf Ihre Idee reagiert?

Haenel: Die haben mich als Schüler überhaupt nicht ernst genommen. Ich bin da schon auf der untersten Ebene abgewiesen worden, als ich mich nach genaueren technischen Daten erkundigen wollte.

SPIEGEL ONLINE: Ihre Idee könnte bei der heutigen Bandbreite nur von wenigen Nutzern gleichzeitig eingesetzt werden, da sonst die Netze ständig überlastet wären.

Haenel: Das stimmt schon. Aber es ist mit meiner Technik möglich, freie Kapazitäten in D- und E-Netzen zu nutzen. Damit könnten einige hundert Nutzer pro Quadratkilometer mein System anwenden, und das würde in manchen Gebieten niemals ausgeschöpft werden.

SPIEGEL ONLINE: Glauben Sie, dass Ihr System eine billige Konkurrenz zu UMTS sein wird?

Haenel: Das kommt auf die Netzbetreiber an. Um mich mit meinem Handy in andere Netze - wie zum Beispiel das Internet - einzuklinken, muss das vom Netzbetreiber ermöglicht werden. Auch das wäre nur eine Frage der Programmierung. Ich denke aber, dass es genug Interesse geben wird, neben UMTS eine einfachere und kostengünstigere Lösung anzubieten.

Das Interview führte Carsten Matthäus