Interview: "Vorschusslorbeeren gibt es nicht" - DER SPIEGEL
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Interview "Vorschusslorbeeren gibt es nicht"

Noch verdiene EM.TV das Vertrauen der Anleger nicht, sagt Roland Pfänder, Analyst bei der BHF Bank, im SPIEGEL-ONLINE-Interview. Erst mal müsse Firmenchef Thomas Haffa sein wahres Gesicht zeigen.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL ONLINE:

Waren die Zahlen von EM.TV eine Überraschung?

Roland Pfänder: Nein. Der Markt hat damit gerechnet, auch in dieser Größenordnung. Der Kurs würde ja sonst nicht höher notieren. Vorschusslorbeeren gibt es allerdings für EM.TV nicht. Auch wenn Thomas Haffa jetzt sagt, es wird ein Einschnitt gemacht.

SPIEGEL ONLINE: Kann man Haffas Worten noch glauben?

Pfänder: Jedes Unternehmen versucht, nachdem es negativ in die Schlagzeilen geraten ist, einen Schnitt zu machen und neu anzufangen. Die Frage ist: Kann das glaubwürdig umgesetzt werden? Das können Sie als Analyst oder Investor nicht sofort nachvollziehen. Das Management muss erst einen "Track Record" aufbauen: Das heißt für mich mindestens ein, eher zwei Jahre mit einer Strategie, die nachvollziehbar ist. Zahlen, die nicht nachträglich wieder korrigiert werden, die Ertragswachstum zeigen. Dann kann man überlegen, ob man so einen Wert als Investment wieder ins Auge fasst. Aber so weit sind die bei EM.TV noch lange nicht.

SPIEGEL ONLINE: Sie können derzeit nicht guten Gewissens dazu raten, bei EM.TV einzusteigen?

Pfänder: Nein, auf keinen Fall. Ich sehe keine strategische Ausrichtung. Die sind auch noch nicht am Ende ihrer Portfoliobereinigung. Es ist noch nicht klar, was mit der Formel 1 geschieht, was mit Jim Henson ist. EM.TV ist momentan ein spekulatives Papier für Zocker.

SPIEGEL ONLINE: ...und das wird die nächsten zwei Jahre so bleiben?

Pfänder: Bevor keine Strategie erkennbar ist, kann man die nicht zum Kaufen empfehlen. Ich kann nicht in einen Wert investieren, bei dem ich nicht weiß, wo das Unternehmen hin will.

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihrer Ansicht nach denn bisher die Strategie von EM.TV?

Pfänder: Das war die Internationalisierung der Filmproduktion, vor allem im Kinderbereich. Die steht in Frage. Wenn man überlegt, Jim Henson zu verkaufen, ist die Internationalisierungsstrategie eindeutig gescheitert. Es ist auch nicht sicher, wie die KirchGruppe dazu steht. Und die wird in Zukunft bei EM.TV den Ton angeben.

SPIEGEL ONLINE: Ist es richtig, dass EM.TV die Internationalisierung aufgibt?

Pfänder: Das muss man sich im Detail angucken. Aber das Management scheint sich auf das beschränken zu wollen, was es besser kennt. Also Junior TV, das innerhalb der KirchGruppe bereits ertragreich war. Da ist man eher auf der sicheren Seite.

SPIEGEL ONLINE: Was bleibt übrig von EM.TV?

Pfänder: Im Moment ist EM.TV wenig mehr als eine Formel-1-Holding. Auch Kirch war vor allem an der Formel-1-Beteiligung interessiert. Auf der anderen Seite kann ich mir vorstellen, dass Kirch jetzt, da er beteiligt ist, auch Interesse hat, die Kinderfilmproduktion auszubauen. Das wird wahrscheinlich als Nächstes passieren.

SPIEGEL ONLINE: Reicht das?

Pfänder: Der Anspruch ist nicht mehr derselbe. EM.TV ist für mich kein international schnell wachsender Medienkonzern mehr. Im Moment machen sie nur Krisenmanagement. Immerhin haben sie die Verschuldung stark abgebaut. Und wenn sie Tele München und Jim Henson verkauft haben, ist auch wieder Geld in der Kasse. Dann könnten sie wieder auf Einkaufstour gehen, aber das nützt auch nichts, wenn die Richtung nicht absehbar ist.

Das Gespräch führte Carsten Volkery