Interview: Warum die Nasdaq den Neuen Markt schlägt - DER SPIEGEL
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Interview Warum die Nasdaq den Neuen Markt schlägt

Die US-Technologiebörse Nasdaq erholt sich von ihrem Crash, der Neue Markt hingegen hinkt hinterher. Darüber sprach der SPIEGEL mit Michael O'Sullivan, 30, Anlage-Spezialist der Commerzbank in London.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL:

Lange Zeit bewegte sich der Neue-Markt-Index Nemax in die gleiche Richtung wie die amerikanische Nasdaq. Warum entwickelte er sich in den vergangenen Monaten deutlich schlechter?

O'Sullivan: Die amerikanische Zentralbank ist der Technologiebörse Nasdaq mit fünf Zinssenkungen zur Seite gesprungen. Außerdem haben viele Unternehmen des Neuen Marktes in der Vergangenheit exzessiv davon profitiert, dass nur wenige Aktien im Umlauf waren. Nun kommen immer mehr Anteile auf den Markt. Zusätzlich wird es in Europa eine Flut von Gewinnwarnungen geben, die in den USA schon vorher passiert sind.

SPIEGEL: Hat der Neue Markt ein Image-Problem?

O'Sullivan: Die Nasdaq ist schon über 30 Jahre alt, während der Neue Markt noch in einer sehr frühen, wilden Phase steckt. Sicherlich haben viele Anleger einen zu hohen Prozentsatz ihres Geldes in diesen riskanten Markt gesteckt. Es besteht die Gefahr, dass sie nun keine Aktien mehr anfassen. Und aus Sicht institutioneller Investoren gibt es wenig Sektoren, auf die zu setzen jetzt schon lohnen würde.

SPIEGEL: Was ist Ihre Prognose für die nächsten Monate?

O'Sullivan: Wir bewegen uns zumindest bei den Werten, die an der Nasdaq notiert sind, mittlerweile auf soliderem Grund. Die Verbraucher müssen weiter viel Geld ausgeben, damit wir eine harte Landung vermeiden können. Ich erwarte, dass die Märkte in sechs Monaten etwas höher als heute stehen. Wenn die deutschen Privatanleger wieder Vertrauen fassen, kann sich der Neue Markt sogar besser als die Nasdaq entwickeln.