Interview zur Leiharbeit DGB verteilt Gütesiegel
SPIEGEL ONLINE:
Früher waren Leiharbeits-Firmen bei Gewerkschaftlern als Sklaventreiber verpönt, inzwischen scheinen sie sich fast zu lieben...
Walter Haas: ...als Liebe würde ich das nicht bezeichnen, eher als Zweckbündnis. Wir müssen feststellen, dass in NRW 94.000 Menschen über Verleihfirmen Arbeit finden, und es werden immer mehr. Um die guten Arbeitgeber von den schlechten zu unterscheiden, vergeben, Ver.di und der DGB ab sofort Gütesiegel.
SPIEGEL ONLINE: Was muss eine "gute" Zeitarbeitsfirma leisten?
Haas: Sie muss einen Tarifvertrag abschließen, Weiterbildung anbieten, einen Betriebsrat haben und Frauenförderpläne. Außerdem muss sie zu mindestens 50 Prozent frühere Arbeitslose beschäftigen.
SPIEGEL ONLINE: Auch vernünftige Löhne zahlen?
Haas: Ja. Im Metallbereich haben wir Tarifverträge mit Ecklöhnen von 18 Mark die Stunde. Genauso wichtig wie ordentliche Löhne sind aber auch die Wiedereingliederungschancen in den ersten Arbeitsmarkt. Im Durchschnitt bleiben die Arbeitnehmer nur drei Monate bei der Zeitarbeitsfirma, bis sie wieder einen festen Job finden. Die betriebliche Praxis, die sie als Leiharbeiter finden, ist in jedem Fall besser als die Alimentation durch die Arbeitslosenversicherung.
Das Interview führte Barbara Schmid