Investitionen E.on im Milliardenrausch
Düsseldorf - In den nächsten vier Jahren will E.on seine Erzeugungskapazität um satte 50 Prozent erhöhen. Schon heute ist das Unternehmen der größte deutsche Energiekonzern und einer der größten Player in Europa. "Wir werden unser Geschäft vor allem durch organisches Wachstum, aber auch durch gezielte externe Wachstumsschritte stärken", sagte Vorstandschef Wulf Bernotat in Düsseldorf.
Nach der gescheiterten Übernahme des spanischen Versorgers Endesa hat E.on reichlich Geld übrig. Zuletzt hatten die Deutschen für Endesa rund 40 Milliarden Euro geboten - diese Summe muss nun anderweitig sinnvoll eingesetzt werden.
So beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat neben den Investitionen außerdem einen Aktienrückkauf in Höhe von sieben Milliarden Euro. An der Börse schoss die E.on-Aktie daraufhin um mehr als fünf Prozent in die Höhe. Zu einer möglichen Sonderausschüttung an die Aktionäre, wie sie Analysten nach dem Scheitern des Endesa-Deals gefordert hatten, machte E.on keine näheren Angaben.
Mit dem Investitionsprogramm sollen neue Märkte erschlossen und die Stromerzeugung ausgebaut werden. "Insgesamt 42 Milliarden Euro sind für Wachstum vorgesehen, vor allem für organisches Wachstum in der Stromerzeugung", sagte Bernotat. Zehn Milliarden Euro fließen in einzelne Endesa-Beteiligungen, die E.on zugesprochen worden waren, nachdem der Konzern auf eine Komplettübernahme verzichtet hatte.
Daneben sind Bernotat zufolge weitere 11,7 Milliarden Euro für Spanien, Italien und Frankreich vorgesehen. Für das geplante Engagement im russischen Strommarkt, in der Türkei und in Südeuropa seien sechs Milliarden Euro eingeplant. Zudem wolle E.on Milliardensummen in den Ausbau seines Gasgeschäfts und in erneuerbare Energien stecken.
Übernahmekandidat Nordex
An der Börse sorgte diese Ankündigung bereits für erste Gerüchte. So ist der Aktienkurs des deutschen Windanlagen-Herstellers Nordex von Übernahmespekulationen nach oben getrieben worden. Händler halten es für möglich, dass E.on bei dem Unternehmen einsteigt. Auslöser war eine Pflichtmitteilung vom Vorabend, wonach die Nordex-Großaktionäre Goldmann Sachs und CMP Capital Management-Partners einen möglichen Verkauf ihrer Anteile in Höhe von 17,4 Prozent und 26,7 Prozent prüfen.
Die Nordex-Aktie verteuerte sich heute Vormittag um mehr als sechs Prozent und zählte damit zu den größten Gewinnern im Tec-Dax. Am Markt werde damit gerechnet, dass ein strategischer Investor bei Nordex einsteigt, sagten mehrere Händler. "E.on-Chef Wulf Bernotat hat gesagt, er wolle rund drei Milliarden Euro in erneuerbare Energie, hauptsächlich in Windenergie, investieren", sagte ein Börsianer. "Nordex steht ja nun zum Verkauf und eine solche Transaktion wäre durchaus sinnvoll." Analyst Henner Rüschmeier von SES Research sagte: "Sowohl strategische Investoren wie E.on als auch viele private Kapitalanleger dürften an Nordex interessiert sein."
In Russland will sich E.on unter anderem an der anstehenden Versteigerung des Stromerzeugers OGK-5 beteiligen. Man werde bei der Auktion am 6. Juni mitbieten, sagte Bernotat. Vor wenigen Tagen hatten die Deutschen bereits eine Gemeinschaftsfirma mit einem russischen Stromerzeuger geschlossen. Darüber hinaus hält Bernotat an der Beteiligung am russischen Gaskonzern Gasprom fest. Diese sei ein wichtiges Bindeglied zwischen beiden Unternehmen. Deutschland bezieht rund 35 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland.
Auch beim Gewinn hat sich Bernotat hohe Ziele gesteckt. In den kommenden vier Jahren soll E.on das operative Ergebnis (Ebit) um fast 50 Prozent auf 12,4 Milliarden Euro steigern. Die Aktionäre könnten davon direkt profitieren: Die Dividende soll sich im Schnitt um 10 bis 20 Prozent pro Jahr erhöhen.
wal/dpa-AFX/Reuters