IPO II Siltronic-Aktien bleiben Ladenhüter
München - "Wir sehen keinen Grund, von unseren Plänen abzuweichen", sagte ein Siltronic-Sprecher am Mittwochmorgen in München. Er fügte hinzu: "Nach all dem, was ich bislang höre, ist das Interesse der Investoren an unseren Papieren sehr groß."
Die Tochter des bayerischen Spezialchemiekonzerns Wacker wäre nach dem kurzfristigen Rückzug des Erfurter Halbleiter-Herstellers X-FAB das erste Unternehmen seit mehr als einem Jahr, das den Sprung auf das Börsenparkett wagt. 2003 hatte es erstmals seit 1968 keinen Börsengang mehr in Deutschland gegeben.
X-FAB hatte in der Nacht zum Mittwoch seinen für diesen Freitag geplanten Börsengang abgesagt. Das Management und der niederländische Konsortialführer ING begründeten das vorläufige Ende der IPO-Pläne mit einer verschlechterten Situation an den internationalen Aktienmärkten - besonders zuletzt nach den Anschlägen von Madrid in der vergangenen Woche - und der Zurückhaltung der Anleger.
Zurückhaltung der Anleger registrieren die Händler allerdings auch bei Siltronic-Papieren. Bislang seien insgesamt nur etwa 10.000 Aktien umgesetzt worden, erklärte eine Händlerin. Im vorbörslichen Handel stünde der Kurs bereits stark unter Druck. Analysten halten die Preisspanne für Siltronic denn auch für etwas zu hoch. Eine Bookbuilding-Spanne am unteren Ende des Angebots wäre besser gewesen, heißt es.
Die Zeichnungsfrist für die insgesamt 57,5 Millionen Siltronic-Papiere (inklusive Mehrzuteilungsoption) hatte am Montag begonnen und soll noch bis zum 25. März dauern. Analysten nannten die Aktien im unteren Bereich der Angebotsspanne von 14,50 bis 19,00 Euro als kaufenswert, verwiesen jedoch auf Konjunkturrisiken. Ohnehin kündigte der noch in der Restrukturierung steckende Halbleiterspezialist für 2004 noch einmal einen Verlust an. Der Umbau des Konzerns solle aber bis Juni abgeschlossen sein, hatte Vorstandschef Wilhelm Sittenthaler versprochen.
Das Unternehmen stellt Silizium-Scheiben, so genannte Wafer, her, die als Grundlage zur Herstellung von Integrierten Schaltkreisen dienen. Der angestrebte Platzierungserlös von bis zu 731 Millionen Euro soll in die Ablösung von Darlehen und in neue Kapazitäten zur Produktion von Wafern mit einem Durchmesser von 300 Millimetern investiert werden. Bei dieser Technologie beansprucht das Unternehmen eine Vorreiterrolle für sich und erwartet in Zukunft Wachstum und ein margenstarkes Geschäft.