Irak-Krise Die Reise-Riesen sind ratlos
Hamburg - Michael Frenzel wappnet sich für ein weiteres Krisenjahr. Um im anhaltend schlechten Reisegeschäft die Erträge zu sichern, tritt der Chef des weltgrößten Reiseanbieters TUI erneut kräftig auf die Kostenbremse. Bis Ende 2004 plant Frenzel, in nahezu allen Bereichen des Konzerns insgesamt 361 Millionen Euro einzusparen.
Alleine in 2003 will der TUI-Chef die Kosten um 261 Millionen Euro drücken. Damit hat er das vor wenigen Wochen angekündigte Sparvolumen für dieses Jahr von 111 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Bedroht sind bis zu 2000 Arbeitsplätze. Erstmals wird auch von betriebsdedingten Kündigungen gesprochen.
Zu radikalen Kostensenkungen gibt es kaum Alternativen. Die gebuchten Umsätze lagen Anfang des Monats mehr als sechs Prozent unter dem ohnehin schon schwachen Vorjahr. In 2002 hatte TUI mit rund 20 Milliarden Euro rund fünf Prozent weniger Umsatz erwirtschaftet.
41 Prozent haben Angst vor Terroranschlägen im Urlaub
Der Irak-Krieg und die grassierende Terrorangst machen dem Tourismuskonzern zu schaffen. 41 Prozent der Deutschen haben nach aktuellen Erhebungen des Europäischen Tourismus Institutes Angst vor Terroranschlägen im Urlaub. 27 Prozent werden demnach in diesem Jahr sicher oder vermutlich nicht verreisen, wobei unter anderem der Krieg als Grund genannt wird. Dieser Wert hat sich seit Kriegsbeginn im Vergleich zu anderen Umfragen von Anfang März um rund 10 Prozentpunkte erhöht.
Auch ohne Irak-Konflikt und Terrorangst steckt die Reisebranche schon tief in der Krise. Die Konjunkturflaute der vergangenen Jahre hat vor allem viele Fluggesellschaften an den Rand des Ruins gedrängt. Am Dienstag gab es neue Hiobsbotschaften von den Airlines. So meldete die Schweizer Fluggesellschaft Swiss, dass ein profitables Geschäft derzeit nicht möglich ist. Investitionen in neue Maschinen werden um insgesamt eine Milliarde Franken sinken.
Flugverkehr: Einbruch um 20 Prozent befürchtet
Finster sieht es auch bei Delta Airlines aus. Die drittgrößte US-Gesellschaft meldet für den vergangenen Monat einen Buchungsrückgang von zwölf Prozent. Delta reagierte mit Streichungen auf den Transatlantikstrecken und weniger Inlandsflügen. Bereits in der vergangenen Woche hatten andere US-Linien ähnliche Einschnitte vorgenommen.
Am Mittwoch schwenkte auch die größte europäische Gesellschaft British Airways auf Sparkurs. Die Kapazitäten werden auf Grund des Krieges in den kommenden Monaten um vier Prozent reduziert. Der für 2004 geplante Personalabbau wird vorgezogen. Bis zum kommenden September werden 13.000 Stellen gestrichen.
Der Branchenverband International Air Transport Association (IATA) gab am Dienstag eine bestürzende Prognose über die Folgen des Irak-Kriegs für das weltweite Airline-Geschäft ab. Demnach droht den Fluglinien ein Minus von bis zehn Milliarden Dollar. Die Zahl der Passagiere auf internationalen Flügen könnte um bis zu 20 Prozent zurückgehen.
Hotelbranche: 10.000 Stellen in Deutschland bedroht
Buchungseinbrüche meldet auch der amerikanische Hotelgigant Starwood Hotels & Ressorts Worldwide. Der Konzern, zu dem unter anderem die Ketten St. Regis, Sheraton und Westin gehören, korrigierte am Montag seine Ergebnisprognosen sowohl für das erste Quartal als auch für das gesamte Geschäftsjahr nach unten. Die Börse reagierte umgehend auf die Gewinnwarnung und schickte die Aktie in den Keller. Weitere börsennotierte Ketten wie Marriott und Hilton verloren ebenfalls.
Im deutschen Hotelgewerbe sieht es nicht viel besser aus. Bereits Ende Januar kündigte der Hotelverband Deutschland, dass in diesem Jahr voraussichtlich weitere 10.000 Stellen abgebaut werden, nachdem schon im vergangenen Jahr massiv gekürzt wurde. Wie der Rest der Wirtschaft hoffen auch die Hotelbetreiber auf einen kurzen Krieg. Sollte der Konflikt länger andauern, wäre die Sommersaison und damit das wichtigste Geschäft der Quartiersbranche betroffen.
Sparen, entlassen, kürzen - alternative Strategien zur Krisenbewältigung sind rar. Und so bleibt der Branche das Warten auf bessere Zeiten nach dem Krieg. Erwartet wird ein wahrer Reiseboom, nachdem die Verunsicherung gewichen ist. "Irgendwann fällt den Leuten die Decke auf den Kopf.", zitiert das "Handelsblatt" einen deutschen Touristikmanager. Sollte sich der Konflikt in die Länge ziehen, wird sich dieser Zustand vorerst nicht einstellen.