Irakische Ölförderung USA planen Staatsgesellschaft
Bagdad - Bislang verfolgte Paul Bremer für die meisten Bereiche der irakischen Wirtschaft nur ein Rezept: radikale Liberalisierung. Doch das politisch sensible Ölgeschäft will der US-Gesandte nicht den freien Kräften des Marktes überlassen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, sehen erste Entwürfe die Einrichtung einer staatlichen Ölgesellschaft nach dem Vorbild der Nachbarstaaten Vereinigte Arabische Emirate oder Kuweits vor.
Sollten die Pläne in die Tat umgesetzt werden, hätte dies gravierende Auswirkungen auf den Einfluss der internationalen Ölkonzerne. Die "Irak-Öl-AG" hätte die Kontrolle über die Produktion und den Verkauf und könnte sich die künftigen Partner für die Zusammenarbeit aussuchen.
Nach offiziellen Angaben erhoffen sich die Verantwortlichen von einer solchen Organisation zusätzliche Impulse für Investitionen in die stark renovierungsbedürftige Infrastruktur. Experten vermuten aber auch das Motiv, die internationale Kritik am Irak-Krieg zu dämpfen. Die Gegener hatten den USA immer wieder vorgeworfen, sie verfolgten lediglich ihr Interesse an einer sicheren Ölversorgung.
Ganz ohne Einwände sind jedoch auch die Pläne einer Ölgesellschaft in Staatsbesitz nicht. Befürworter einer Liberalisierung des Marktes glauben, dass unter solchen Bedingungen weniger Geld für Investitionen zur Verfügung stehen könnte. Außerdem könnte eine nationalistisch orientierte Geschäftsführung der künftigen Staatsgesellschaft ausländischen Konzernen den Zutritt auf dem irakischen Markt verweigern oder an unzumutbare Bedingungen knüpfen.
Andererseits würde die geplante Regelung Chancengleichheit auch für Ölgesellschaften aus den Staaten sicherstellen, die bislang durch die USA benachteiligt wurden. So sprach sich etwa BP-Chef John Browne für die Idee der Amerikaner aus. Eine staatliche Gesellschaft, selbst wenn sie weniger Geld für Investitionen mobilisiert, würde den Interessen des Irak am ehesten gerecht werden.