Iran: Regime provoziert Renault - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Iran Regime provoziert Renault

Neben dem Atomkonflikt wirkt dieser Streit profan - doch es geht um die größte französische Investition in Iran seit fast 30 Jahren. Das Mullah-Regime hat den Bau des Renault-Billigautos Logan unterbrochen. Es will erzwingen, das Modell in die gleichen Märkte exportieren zu dürfen wie das Original.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Teheran/Paris - "Solange die Firma Renault unsere Bedürfnisse nicht erfüllt, steht das Vorhaben still", sagte der iranische Industrieminister Ali-Resa Tahmasebi zur Produktion des iranischen Logans L90, wie das staatliche Fernsehen berichtete. Hintergrund der Entscheidung des Mullah-Regimes: Iran will einen Teil der Produktion in die üblichen Absatzmärkte des französischen Unternehmens ausführen dürfen, wie ein leitender Mitarbeiter des Ministeriums, Mohammed Karimi, der Nachrichtenagentur Fars sagte. Nach Angaben aus mit dem Fall vertrauten Kreisen verlangt Teheran, 20 Prozent der iranischen Logan-Produktion exportieren zu dürfen.

Der Logan soll in der Islamischen Republik von den Unternehmen Iran Chodro und Pars Chodro gebaut werden. Ab diesem Jahr sollten eigentlich jährlich 300.000 Fahrzeuge hergestellt werden. Der Vertrag über 300 Millionen Euro war die größte und langfristigste Investition eines französischen Unternehmens in Iran seit Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979.

Renault sträubt sich gegen die Forderungen der Iraner, erklärte aber, das Unternehmen prüfe zurzeit "alle möglichen Lösungen" mit Teheran für einen Export des iranischen Logan-Modells. Die Exportfrage sei "immer Gegenstand der Verhandlungen mit der iranischen Regierung" gewesen, erklärte ein Sprecher des Unternehmens. Der Konzern gehe aber weiter davon aus, dass die Produktion im zweiten Halbjahr 2006 beginnen könne. Ursprünglich hatte Renault den L90 bereits ab Mai bauen wollen

Der Logan wird seit 2004 von Renaults Marke Dacia in Rumänien und Russland hergestellt. Seit dem vergangenen Jahr bietet Renault das Billigfahrzeug auch auf westeuropäischen Märkten an, wo es sich zur Überraschung von Experten besser verkauft als erwartet.

ase/AFP