IT-Branche: Nokia-Chef warnt vor Abstieg Europas - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

IT-Branche Nokia-Chef warnt vor Abstieg Europas

Jorma Ollila, Chef des finnischen Handy-Konzerns Nokia, sorgt sich um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie. Gerade in den Zukunftsbranchen stünden Konkurrenten oft besser da, weil ihnen die Politik weniger Steine in den Weg legt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hannover - Bei der Eröffnung der CebIT in Hannover äußerte sich Ollila besorgt darüber, dass europäische Unternehmen global zurückfallen könnten. Bei Investitionen in Forschung und Entwicklung im IT-Bereich stünde die Konkurrenz aus Asien und den USA oftmals besser da. "In Europa können wir die Wettbewerbsfähigkeit nur dann zurückgewinnen, wenn wir die nötigen Reformen durchsetzen", sagte Ollila bei der Auftaktveranstaltung, zu der auch Bundeskanzler Gerhard Schröder gekommenen war.

Die Aussichten seines eigenen Unternehmens sieht Ollila aber eher optimistisch. Er prognostizierte, die Zahl der Handynutzer werde sich weltweit von derzeit 1,1 Milliarden auf 2 Milliarden zum Ende des Jahrzehnts verdoppeln. Anfang der neunziger Jahre seien es nur zehn Millionen gewesen.

Bei den Telekommunikationsdiensten gebe es vielfach noch enormes Potenzial, auch in den entwickelten Nationen. "Wir rechnen damit, dass Deutschland im Internet sukzessive zu den führenden Ländern aufschließt." Bis 2005 würden bis zu fünf Millionen Internet-Nutzer in Deutschland hinzukommen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD), den Ollila wohl mit seiner Kritik zumindest indirekt ansprechen wollte, nannte die Krise der Branche bei der Eröffnung einen "notwendigen Anpassungsprozess". Die IT-Branche habe es geschafft, sich auf ihre Stärken zu besinnen. Vor allem für 2004 könne man auf eine deutliche Erholung hoffen.

Er betonte seinen Reformwillen und kündigte "die Menschen belastende und schwierige" Reformen an. Es werde sich zeigen, wer bereit sei, diese mitzutragen. Von einem Abstieg europäischer Konzerne kann aus Sicht des Kanzlers aber keine Rede sein: Deutschland habe mittlerweile eine führende Stellung in der weltweiten High-Tech-Liga, sagte Schröder. "Bei der geschäftlichen Nutzung der Informations- und Kommunikations-Technologie nehmen wir inzwischen sogar weltweit einen Spitzenplatz ein".

Mehr lesen über