Italien Geplatzte Anleihe verschreckt Anleger
Rom - Die Rückzahlung des mit 7,5 Prozent verzinsten Bonds wäre bereits am Montag dieser Woche fällig gewesen. Doch auch eine Verlängerung der Frist um drei Tage half Cirio-Präsident Sergio Cragnotti nicht weiter. Zurzeit fehlt das Geld, um auch nur die Hälfte der geschuldeten Summe zurückzuzahlen.
Noch zögern die Banken allerdings, die Anleihe auf "default" zu stellen. Denn in diesem Fall wären auch die anderen sechs zwischen 2003 und 2005 fällig werdenden Anleihen geplatzt. Die Anleger - zum größten Teil Kleinsparer - würden auf Forderungen von rund 1,1 Milliarden Euro sitzen bleiben, wie das "Handelsblatt" berichtet.
Der Ausfall der Anleihe bedeutet nicht nur einen herben Schlag für Cirio. Experten befürchten, dass dadurch das Vertrauen der Anleger in den gesamten Anleihemarkt erschüttert wird. Denn viele italienische Kleinsparer hatten bereits durch die Argentinienkrise viel Geld verloren.
Auch an den Finanzplätzen London und Frankfurt am Main werde die geplatzte Anleihe mit großer Aufmerksamkeit registriert, zitiert das "Handelsblatt" den Chef der Mailänder Ratingagentur Fitch, Marco Cecchi de Rossi. Insofern könnten sich die Cirio-Zahlungsprobleme auch auf den gesamten Anleihemarkt im Europa auswirken.
Einzig erfolgversprechender Weg für die Emission von Schuldverschreibungen sei in dieser Situation noch ein Ratingverfahren. Solche Bonitätseinstufungen werden von Ratingagenturen wie Standard & Poor's oder Moody's vorgenommen und sind in der Regel sehr teuer. Aus diesem Grunde haben in der Vergangenheit auch viele Unternehmen darauf verzichtet.
Für die italienischen Fußballfans hat die Cirio-Krise allerdings noch ganz andere Konsequenzen, die mit Sicherheit ebenso empfindlich aufgenommen werden. Betroffen ist Fußballclub S.S. Lazio Rom, dessen Hauptsponsor und gleichzeitig Haupaktionär Cirio ist. Lazio, einer der traditionsreichsten Vereine der italienischen Serie A, hat hohe Schulden und wurde zudem nach Medienberichten von dem spanischen Verein Valencia und dem englischen Club Manchester United wegen der Nichtbezahlung zweier Spielertransfers vor Gericht zitiert.
Lazio, zur Zeit auf dem vierten Platz der italienischen Meisterschaft, könnte sich gezwungen sehen, seine besten Spieler zu verkaufen, berichteten römische Zeitungen am Freitag. Die Lazio-Aktie wurde am Freitag wegen zu hoher Kursverluste an der Mailänder Börse vom Handel ausgesetzt.