IWF-Chef: EU steht weiter zu Koch-Weser - DER SPIEGEL
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IWF-Chef EU steht weiter zu Koch-Weser

Caio Koch-Weser sei aus dem Rennen. Darauf hätten sich, Bundeskanzler Schröder und EU-Ratspräsident Guterres geeinigt, meldete die "Welt am Sonntag". Ganz anderes berichteten dagegen die beiden nach ihrem Treffen: Die EU halte weiterhin an ihrem Kandidaten für den IWF-Chefsessel fest.
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Berlin - Der amtierende Ratspräsident, Portugals Regierungschef Antonio Guterres, und Bundeskanzler Gerhard Schröder bekräftigten ihre Einigkeit am Samstag nach einem Gespräch in Porto. Auch Koch-Weser selbst dementierte einen Bericht der "Welt am Sonntag", wonach er nicht mehr als Kandidat zur Verfügung stehe. Die Zeitung hielt aber an ihrer Darstellung fest, Koch-Weser habe ihr gegenüber bestätigt, nicht länger Kandidat zu sein. Der Deutsche hatte am Donnerstag in einer Probeabstimmung zwar die meisten Stimmen, aber keine absolute Mehrheit erhalten.

Guterres sagte: "Die Position der Präsidentschaft ist klar. Sie ist, den deutschen Kandidaten voll zu unterstützen." Schröder ergänzte, es müsse jetzt daran gearbeitet werden, dem europäischen Kandidaten zum Erfolg zu verhelfen. Er sei nach Porto gekommen, um sicher zu stellen, dass die beiden Regierungschefs zusammen arbeiteten, um Koch-Wesers Kandidatur zu unterstützen. Das Gespräch mit Guterres habe völlige Übereinstimmung in politischen Fragen gezeigt, auch in der Frage der Kandidatur Koch-Wesers. Schröder und Guterres hatten bereits am Freitag in einem Telefongespräch über die Besetzung des IWF-Postens beraten.

Koch-Weser sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Samstagabend: "Wie ich schon bei meinem Abflug in Washington Reuters gegenüber erklärt habe, halte ich an meiner Kandidatur fest und sehe das Resultat der Probeabstimmung als vielversprechend an."

Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte zu dem Zeitungsbericht: "Ich dementiere diesen Bericht nachdrücklich. Koch-Weser bleibt der Kandidat der Europäischen Union." Koch-Weser habe überhaupt nicht mit dem Blatt gesprochen.

Die "WamS" blieb dennoch bei ihrer Darstellung, sie habe mit Koch-Weser gesprochen. Das Blatt zitierte ihn mit dem Satz: "Ich möchte gern meine wichtige Aufgabe als Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, die in der kommenden Zeit sicherlich nicht unwichtiger wird, fortführen." In den ersten 25.000 am Samstag bereits gedruckten Exemplaren ihrer Druckauflage von rund 440.000 heißt es mit Blick auf das Zitat: Koch-Weser "selbst bestätigte dies gegenüber Welt am Sonntag". In der weiteren Auflage sollte dieser Halbsatz nach Angaben des zuständigen Redakteurs vom Samstagabend jedoch gestrichen werden. Inhaltlich gebe es aber keine Abstriche von der Aussage.

Rolf Breuer im Gespräch?

Koch-Weser hatte bei der Probeabstimmung im IWF-Direktorium am Donnerstag mit 43 Prozent zwar die meisten Stimmen erhalten, die absolute Mehrheit jedoch verfehlt. Auf Widerstand stößt seine Kandidatur vor allem bei den USA, die sich wie eine Reihe anderer Staaten der Stimme enthalten hatten. Der kommissarische IWF-Direktor Stanley Fischer hatte 12 Prozent der Stimmen bekommen und war damit Zweitplatzierter. Der japanische Kandidat Eisuke Sakakibara hatte neun Prozent der Stimmen erhalten.

Die Ministeriumssprecherin und Regierungssprecher Bela Anda widersprachen auch der Meldung, der Chef der Deutschen Bank, Rolf Breuer, habe als Nachfolgekandidat abgesagt. Anda sagte, er könne sich das schon "auf Grund des Gehaltsgefüges" nicht vorstellen. Zur Frage, ob die USA einen deutschen Kandidaten ablehnen würden, verwies Anda auf die Aussage von US-Präsident Bill Clinton. Dieser hatte am Donnerstag gesagt: "Ich denke, dass die Europäer den IWF führen sollten, und es würde mir passen, wenn ein Deutscher den IWF führte."

Fischer sagte am Freitagabend vor Journalisten in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts auf die Frage, ob er weiterhin für die Nachfolge des zurückgetretenen IWF-Chefs Michel Camdessus kandidiere, er fühle sich durch seine Nominierung geehrt und wolle die weiteren Entscheidungen abwarten. Er werde jedoch seine Arbeit als Stellvertreter fortsetzen, falls ein anderer Kandidat gewählt werde. Fischer war von einer Gruppe afrikanischer Staaten nominiert worden.