IWF-Chef-Posten Koch-Weser gibt auf
Berlin - Er habe bereits am Wochenende Bundeskanzler Gerhard Schröder darüber unterrichtet, dass er nicht mehr zur Verfügung stehe, erklärte Koch-Weser. Angeblich hat der deutsche Regierungschef einen neuen Kandidaten parat. Als möglicher Bewerber gelte der Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau, Horst Köhler, meldet die "Financial Times Deutschland". In einem Telefongespräch habe Schröder dem ehemaligen Finanzstaatssekretär am Wochenende angeboten, ihn als Bewerber der Europäischen Union vorzuschlagen.
Mitarbeiter der Bank für Wiederaufbau in London gingen davon aus, dass Köhler zu einer Bewerbung beim IWF bereit wäre, hieß es. Eine Sprecherin der Bundesregierung bezeichnete den Bericht als reine Spekulation und lehnte weitere Kommentare ab. Nach offiziellen Angaben halten EU und Bundesregierung an Finanzstaatssekretär Caio Koch-Weser fest, obwohl ihn die USA ablehnen.
Köhler war Staatssekretär unter dem früheren Bundesfinanzminister Theo Waigel und Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Als Kandidaten im Gespräch waren laut der Zeitung neben Köhler kurzzeitig auch der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Otmar Issing, und Bundesbankvizepräsident Jürgen Stark.
Issing habe jedoch abgesagt. Der frühere Finanzstaatssekretär Stark gelte bei der amerikanischen Regierung ebenfalls als nicht durchsetzbar, hieß es. Parallel zur Suche in Deutschland werde offenbar auch in anderen europäischen Staaten weiterhin nach einem Kompromisskandidaten Ausschau gehalten.
Eine Kandidatur des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Hans Tietmeyer scheidet aus, da der 68-jährige drei Jahre zu alt sei, um als IWF-Generaldirektor nominiert werden zu können. Laut Satzung des IWF dürfen die Bewerber zum Zeitpunkt ihrer Wahl höchstens 65 Jahre sein. Auch Tietmeyers Vorgänger Karl-Otto Pöhl ist mit seinen 70 Jahren aus dem Rennen.