IWF-Chefposten: Bundesregierung beharrt auf Koch-Weser - DER SPIEGEL
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IWF-Chefposten Bundesregierung beharrt auf Koch-Weser

Caio Koch-Weser wird sich auf jeden Fall der heutigen Probeabstimmung im Internationalen Währungsfonds (IWF) über den künftigen Chef stellen. Die Bundesregierung wies Berichte zurück, wonach Deutschland wegen des Widerstands der USA seinen Kandidaten für den IWF-Vorsitz zurückziehen werde. Auf diplomatischer Ebene wird derweil heftig gerangelt.
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Berlin/Washington - Der außenpolitische Berater im Kanzleramt, Michael Steiner, erklärte im ZDF, die Bundesregierung sei nicht mehr befugt, die Nominierung des Finanzstaatssekretärs zurückzunehmen. Koch-Weser sei inzwischen ein europäischer Kandidat. Er empfahl, das Ergebnis der heutigen Probeabstimmung um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit abzuwarten. Dann werde man weitersehen. Auch ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums nannte die Rückzugsmeldung "absurd". Koch-Wesers Chancen seien "ausgezeichnet".

Steiner betonte, der Widerstand der USA habe nicht mit Personen zu tun, sondern mit der künftigen Ausrichtung des Amtes. "Ist es eine Rolle, die der ganzen Welt dient? Oder ist es eine Organisation, die schlicht nur dem Interesse eines Staates dient?", sagte Steiner. Europa und Koch-Weser wollten im Gegensatz zu Amerika, dass der IWF in Zukunft die Interessen aller Staaten vertrete.

Neben Koch-Weser treten der kommissarische IWF-Direktor Stanley Fischer und der Japaner Eisuke Sakakibara an, dem kaum Chancen eingeräumt werden. Der Sprecher des Finanzministeriums erklärte, es werde weiter um Stimmen der IWF-Mitgliedsländer geworben. Eine einfache Mehrheit der Stimmen reiche aus, um Koch-Weser durchzusetzen. "So viele sind es nicht, die uns noch fehlen." Am Vortag war der EU-Kandidat selbst in die USA geflogen, um vor allem bei den Entwicklungsländern für seine Kandidatur zu werben.

Frankreichs Finanzminister Christian Sautter betonte in Paris, dass sein Land weiter Koch-Weser unterstütze. "Ich habe volles Vertrauen in den europäischen Kandidaten." Sein deutscher Amtskollege Hans Eichel reiste am Mittag nach Paris, um die französische Regierung auf den gemeinsamen Kandidaten einzuschwören.

Laut "New York Times" stehen nicht alle Europäer in Treue fest zu Koch-Weser. Sowohl der französische Ministerpräsident Lionel Jospin als auch sein italienischer Amtskollege Massimo D'Alema hätten im Vorfeld der Nominierung stark darauf gedrängt, nach anderen Kandidaten Ausschau zu halten, zitierte das Blatt Regierungskreise in diesen Ländern. Eine Reihe hochrangiger Vertreter in den einzelnen Staaten der Europäischen Union habe bestätigt, Koch-Weser sei zuletzt allein auf Grund der Erfordernis eines einheitlichen europäischen Auftritts unterstützt worden. Sein Rückzug würde nunmehr begrüßt. Laut "Handelsblatt" spiele auch der britische Premierminister Tony Blair im Schulterschluss mit den USA ein falsches Spiel.