Isolationskurs der USA IWF drängt Deutschland zu Führungsrolle
IWF-Chefin Lagarde am 17.03.2017 in Baden-Baden beim Treffen der G20-Finanzminister
Foto: Uwe Anspach/ dpaDer Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet von der Bundesregierung, dass sie künftig eine internationale Führungsrolle übernimmt - vor allem wenn es darum geht, Globalisierung und freien Welthandel zu verteidigen.
Nach SPIEGEL-Informationen forderten IWF-Chefin Christine Lagarde und ihr Vize David Lipton bei ihren Besuchen kürzlich in Berlin ein größeres Engagement der Deutschen im IWF, aber auch im Kreis der G7 und G20. Deutschland soll das Vakuum füllen, das die USA unter dem isolationistischen Kurs des neuen Präsidenten Donald Trump hinterlassen. Adressaten der Appelle waren Kanzlerin Angela Merkel (CDU), aber auch hochrangige Vertreter des Bundesfinanzministeriums sowie Bundestagsabgeordnete (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)
Wie sehr die USA ihren ökonomischen Alleingang ohne Rücksicht auf ihre Partnerländer forcieren, wurde Ende vergangener Woche beim Treffen der Finanzminister aus den Industrie- und Schwellenländern, den so genannten G20, in Baden-Baden offenbar. Dort verhinderte der neue amerikanische Finanzminister Steven Mnuchin eine Passage im Kommunique, die den Protektionismus verurteilt. In früheren Abschlusserklärungen hatte es dafür stets Platz gegeben.
Unterdessen sind Vertreter Japans und Südkoreas auf unterschiedlichen Ebenen an die Bundesregierung herangetreten, mit dem Ziel, eine gemeinsame Linie gegen die Angriffe aus Washington zu finden. Die drei Länder einen Gemeinsamkeiten, die sie in den Augen der neuen amerikanischen Regierung verdächtig machen. Sie erwirtschaften hohe Handelsbilanzüberschüsse gegenüber den USA, sparen wegen alternder Gesellschaften in den Augen der Amerikaner zu viel und geben zu wenig für ihre eigene Verteidigung aus. Deshalb, so der Vorschlag aus Tokio und Seoul, sollten die drei Länder ihre Positionen abstimmen.