IWF Exekutivrat kürt Köhler zum Chef
Washington - Köhler, der von der EU nominiert worden war, nahm an der Sitzung der 24 Exekutivdirektoren nicht teil. Der scheidende Chef der Londoner Osteuropa-Bank hatte sich in der vergangenen Woche im Hauptquartier des IWF vorgestellt und sich der Unterstützung aller Mitgliedsländer versichert. Wann der 57-Jährige nach Washington wechselt, ist noch unklar. Der einflussreiche Vize, der US-Amerikaner Stanley Fischer, will auf seinem Posten bleiben und hat Köhler enge Zusammenarbeit zugesichert.
Der Wahl war ein wochenlanges Tauziehen vorausgegangen. Der erste von der EU vorgeschlagene Kandidat, der deutsche Finanz-Staatssekretär Caio Koch-Weser, war am Widerstand der Amerikaner gescheitert. Sie warfen ihm mangelnde Eignung für den Posten an der Spitze einer der wichtigsten internationalen Institutionen vor und lösten damit einige Verstimmung im deutsch-amerikanischen Verhältnis und ein offenes Gerangel um die IWF-Führung aus.
Köhler, einst Bonner Finanz-Staatssekretär und Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes, übernimmt die IWF-Führung zu einer für die Institution schwierigen Zeit. Vor allem die USA, der größte Anteilseigner, fordern eine durchgreifende Reform. Der IWF soll sich auf die Überwachung der internationalen Finanzstrukturen konzentrieren und sich auf kurzfristige Kredite zur akuten Krisenbekämpfung beschränken. In den vergangenen Jahren üblich gewordene umfangreiche Kreditpakete und entwicklungspolitische Programme sollen dagegen zurückgeführt werden. Köhler hat in ersten Stellungnahmen einen gewissen Reformbedarf des IWF anerkannt und Sympathien für entsprechende Vorstellungen von US-Finanzminister Larry Summers gezeigt.