IWF "EZB muss Zinsen senken"
Washington - Für 2001 prognostiziert der IWF ein Weltwirtschaftswachstum von 3,2 Prozent und begründet dies vor allem mit der deutlichen Konjunkturabkühlung in den USA. 2000 hatte das Wachstum noch bei 4,8 Prozent gelegen. "Wir sehen in diesem Jahr ganz klar eine deutliche und breite Verlangsamung des weltweiten Wachstums, aber keine Rezession", sagte Mussa.
Während Mussa die Leitzinssenkungen der US-Notenbank begrüßte, forderte er die EZB ungewöhnlich deutlich auf, mit Leitzinssenkungen auf die eingetrübten globalen Wachstumsaussichten zu reagieren. Die Inflation in der Euro-Zone sei nicht das Hauptproblem, deshalb solle die EZB mit Leitzinssenkungen beginnen und hätte dies schon vor einem Monat tun können.
Die Kritik, er greife damit in die Angelegenheiten der geldpolitisch unabhängigen EZB ein, ließ Mussa nicht gelten. "Hier beim IWF nennen wir das nicht Eingriff, sondern Überwachung." Die EZB hat die Zinsen seit Herbst 2000 unverändert gelassen und trotz der zunehmenden Forderungen nach Zinssenkungen auch am Donnerstag erwartungsgemäß den Schlüsselzins in der Euro-Zone von 4,75 Prozent nicht reduziert.
Nach Mussas Worten leistet die Euro-Zone per saldo einen "negativen Beitrag" zum globalen Wachstum und sollte eigentlich zu mehr in der Lage sein. Auf die Frage, wie groß die Zinssenkung durch die EZB ausfallen sollte, sagte Mussa, er würde mit einer Senkung um 25 Basispunkte auf dann 4,5 Prozent im Schlüsselzins beginnen.
Mit einem prognostizierten Wachstum von 2,4 Prozent könnte das Wachstum in der Euro-Zone und der EU 2001 allerdings erstmals seit zehn Jahren das der USA übertreffen. Der Fonds nahm seine bisherige Prognose für das Wachstum in der Euro-Zone um einen Prozentpunkt zurück, für 2002 wird ein Plus von 2,8 Prozent unterstellt.
Die IWF-Prognose für Deutschland liegt sogar um 1,4 Prozentpunkte niedriger als noch in der Schätzung vom Herbst 2000. Das Wachstum in der Bundesrepublik werde demnach 2001 nur noch 1,9 Prozent betragen. Für das kommende Jahr gehe der IWF aber wieder von einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 2,6 Prozent aus.
Vor allem in den USA dürfte die Konjunktur extrem in die Knie gehen, und zwar auf 1,5 Prozent von fünf Prozent im vergangenen Jahr. Damit würden die USA das geringste Wachstum seit zehn Jahren hinnehmen müssen. Dabei gäben "das hohe Leistungsbilanzdefizit und die Überbewertung des Dollar, die negative Sparquote der privaten Haushalte und das immer noch hohe Kursniveau am Aktienmarkt" Anlass zur Sorge.
Erst im dritten Quartal dieses Jahres rechnet Mussa in den USA mit einer verbesserten Lage. Die US-Notenbank Fed habe ungeachtet der bereits vier Leitzinssenkungen Raum für weitere geldpolitische Lockerungen. Auch hält der IWF maßvolle Steuersenkungen in den USA für hilfreich.