IWF Kandidatur Köhlers offiziell eingereicht
Washington - Die Europäische Union hat den deutschen Finanzexperten Horst Köhler am Dienstag offiziell für den Chefposten des Internationalen Währungsfonds (IWF) nominiert. Nachdem Japan seinen Kandidaten zurückgezogen hat, gilt die Wahl Köhlers als sicher.
Der IWF teilte in Washington mit, die EU-Ratspräsidentschaft habe dem IWF den deutschen Leiter der Osteuropabank als Kandidaten der EU vorgeschlagen. Die Mitglieder des Exekutivdirektoriums würden sich nun untereinander und mit ihren Regierungen beraten. Ein Termin für die Wahl sei jedoch nicht festgelegt worden.
Der IWF teilte weiter mit, Japan habe seinen Kandidaten für den IWF-Chefposten, Eisuke Sakakibara, offiziell zurückgezogen. Einziger Gegenkandidat von Köhler ist damit noch der Amerikaner Stanley Fischer, der von 20 afrikanischen Staaten vorgeschlagen wurde. Die Wahl Köhlers zum IWF-Generaldirektor und damit Nachfolger des zurückgetretenen Franzosen Michel Camdessus gilt allerdings als sicher, da die USA am Montag ihre Unterstützung für den EU-Kandidaten zugesagt hatten.
Der erste EU-Kandidat für den IWF-Chefposten, Caio Koch-Weser, war am Widerstand aus Washington gescheitert. Die US-Regierung hatte dem Staatssekretär im Bundesfinanzministerium mangelnde Qualifikation für den Chefposten vorgeworfen. Die amerikanische Haltung in der Personalfrage hatte in Deutschland für Verärgerung gesorgt und zu Spannungen im transatlantischen Verhältnis gesorgt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hatte dann Anfang der Woche in einem Telefongespräch persönlich die Zustimmung von US-Präsident Bill Clinton zu Köhler eingeholt.
Das deutsche Mitglied des IWF-Führungsgremiums, Bernd Esdar, erklärte, Köhler sei ein höchst qualifizierter Kandidat für den Chefposten. Die Herausforderungen, vor denen der IWF stehe, verlangten eine starke und erfahrene Führungspersönlichkeit. Köhler erfülle mit seiner Erfahrung all diese Anforderungen.
Der IWF-Chefsessel wird traditionell von einem Europäer besetzt. Das Personalgerangel um den mittlerweile seit Februar vakanten Posten hatte sich über vier Monate hingezogen.