Diskussionspapier IWF mahnt G20-Staaten zu Kooperation
Natodraht in Hamburg
Foto: Bodo Marks/ dpaDer Internationale Währungsfonds (IWF) hat die G20-Länder kurz vor dem Gipfel in Hamburg zur Kooperation aufgefordert und auf Risiken für das Wachstum der Weltwirtschaft gewarnt. "Der globale Aufschwung bleibt auf Kurs", teilte der Fonds am Mittwoch in einem Diskussionspapier zum G20-Treffen mit. "Diese Aufwärtsbewegung ist aber begleitet von wachsenden Anfälligkeiten und anhaltenden Ungleichgewichten." Es gebe Anzeichen, dass das US-Wachstum etwas schwächer ausfallen könnte als vom IWF noch im April geschätzt. Für die Eurozone könne es dagegen geringfügig besser laufen.
Der IWF sprach sich für ein offenes, regelgestütztes Welthandelssystem aus und mahnte die 20 größten Industrie- und Schwellenländer (G20) zu einer engen Kooperation, etwa im Bereich Klimaschutz wie auch bei der Stärkung des Welt-Finanzsystems.
Die führenden Notenbanken weltweit warnte der IWF vor einer übereilten Abkehr von der lockeren Geldpolitik. "In denjenigen Industrieländern, in denen die Nachfrage noch immer unzureichend und die Inflation zu niedrig ist, sollte geldpolitische und - wo möglich - fiskalische Unterstützung bestehen bleiben", heißt es in dem Papier. "Andernorts sollte die Geldpolitik entsprechend der wirtschaftlichen Entwicklung schrittweise normalisiert werden."
Während sich die US-Notenbank Fed bereits seit Ende 2015 allmählich vom Krisenmodus der Geldpolitik verabschiedet, zeichnet sich derzeit auch bei immer mehr anderen Notenbanken eine allmähliche Kehrtwende ab. Jüngst hatten Äußerungen des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, an den Finanzmärkten die Erwartung bestärkt, dass die EZB trotz einer zuletzt wieder gesunkenen Inflation bald ihre monatlichen Wertpapierkäufe verringern könnte. Außerdem gibt es Hinweise auf mögliche Leitzinsanhebungen etwa in Großbritannien und Kanada.
Die Bundesregierung forderte der IWF zu höheren staatlichen Ausgaben auf. "Eine expansivere Finanzpolitik in Deutschland würde nicht nur den dringend notwendigen Schub für öffentliche Investitionen geben und das Wachstumspotenzial erhöhen", führte der Fonds aus. Damit könnten auch positive Auswirkungen auf die Volkswirtschaften von Euro-Partnerländern erzielt werden. Deutschland wird vom IWF als eines der Länder genannt, die insbesondere mehr für die Infrastruktur tun sollten. Der finanzielle Spielraum dafür sei vorhanden.